Luxemburg ist nicht weit. Und doch kenne ich mich im nahen Nachbarland nur wenig aus. Seit meiner kurzen Zeit als freier Mitarbeiter bei Radio Luxemburg hatte ich das Großherzogtum wieder völlig aus den Augen verloren. Höchste Zeit das in diesem Winter zu ändern. Mein Ziel war das kleine Städtchen Echternach an der Sauer – das Tor zur Kleinen Luxemburger Schweiz. Dort wurde vor knapp 20 Jahren der 110 Kilometer lange Müllerthal Trail eingerichtet, der aus drei Hauptrouten und vielen verzweigten Extratouren besteht.
Route 2
Ich habe mir die Route 2 ausgesucht – 35 Kilometer ab/bis Echternach mit gut 700 Höhenmetern.
Da die Tage im Februar noch kurz sind und die Wege vermutlich schlammig und naturbelassen, habe ich in Berdorf eine Übernachtung in einem Hotel am Wegesrand eingeplant (Link unten).
Eine Übernachtung im Ort Müllerthal wäre sinnvoller, weil dann die beiden Etappen eine ähnliche Länge hätten. Aber im Februar sind im dortigen Hotel die Türen zu. Also plante ich eine sehr kurze erste Etappe mit 7 Kilometern am Nachmittag des ersten Tages und eine lange Strecke mit knapp 30 Kilometern am zweiten Tag.
Tag 1
Die Anfahrt durch die noch verschneite Eifel war nach knapp zwei Stunden erledigt. Kostenfreies Parken ist in Echternach im Winter kein Problem. Ein kurzer Gang und ich stand vor der wuchtigen Basilika und damit am Ausgangspunkt meiner Tour.
Die Basilika im grauen Winter
Ab dem nahen Marktplatz starten die Routenschilder/Wegweiser und sie haben mich absolut verlässlich und ohne jede Lücke die komplette Tour geleitet. Das fand ich stark! Schnell lag Echternach hinter und dann unter mir – und die Felslandschaft der Kleinen Luxemburger Schweiz vor mir. Und ich muss sagen: ganz schön beeindruckend.
Nie verlaufen, dank vieler Wegweiser
Die über 50 Meter hohen Sandsteinfelsen bilden über weite Strecken eine tolle Kulisse und der Weg führt mitten hindurch. In der Wolfsschlucht verstärkte das graue Winterwetter die spannende Stimmung. Ganz selten traf ich auf andere Wandersleute.
Rund um die Wolfsschlucht
In Berdorf
ging meine kurze erste Etappe schon gegen 15 Uhr zu Ende. Wobei ich für die knapp 7 Kilometer länger als bei ähnlichen Wanderungen gebraucht habe. Die matschigen und verwinkelten Wegstrecken machten einen 4-5 Kilometerschnitt zu Nichte. Und auch die vielen spannenden Ausblicke, an denen ich stehenblieb und staunte.
Das Trail-Inn Natur und Sport Hotel lag direkt am Weg, bot mir ein gute Bett und leckeres Essen. Nur bei der Verständigug im Restaurant hatte ich Schwierigkeiten. In Luxemburg wird oftmals deutsch, französisch, englisch und luxemburgisch gesprochen. Ich hatte auf Englisch einen Burger mit extra Salat bestellt und bekam ihn auch. Und die aufmerksame Kellnerin fragte mich auf Französisch, ob ich zum Salat noch Brot haben möchte. Glaubte ich zumindest verstanden zu haben. Ich sagte: „Nein!“ und sie fragte nochmal nach, auf Luxemburgisch: „Auch nicht zum Salat?“ Und ich auf Deutsch: „Nö, auch nicht zum Salat.“ Da schaute sie pikiert, fast ein wenig angeekelt und ging von dannen. Und ich realisierte, dass sie nicht von Brot, sondern von Besteck geredet hatte. Burger ohne Besteck geht gut, aber Salat? Ich bin hinter ihr hergelaufen und habe reumütig zugegeben, dass ich es mir anders überlegt habe. Da hellte sich ihre Miene wieder auf.
Tag 2
Am nächsten Morgen hatten die Wetterfrösche kurzerhand aus einem angekündigten Sonnentag einen Nebeltag und dann sogar einen Regentag gemacht. Der Knirps wurde mein bester Freund. Der Weg blieb spannend, tolle Felsformationen (Predigtstuhl), glitschige Wege, traumhafte Moosfelsen.
So schön und kontrastreich nur im Winter
Dann kam ich in das Touristenkaff Müllerthal, wo ich wirklich nicht mal tot überm Zaun hängen möchte. Was für ein öder Ort, alles versifft, kaputt und verrammelt. Kaum vorzustellen, dass es da im Sommer entscheidend anders aussehen soll.
Müllerthal: Mehr Tristesse geht nicht!
Auf dem Trail sah es anders aus, felsiger, abenteuerlicher, beengter. In den Felsspalten/Passagen Rittergang, Kohlscheuer und Deiwepetz ist es von ungeheurem Vorteil, wenn man eher von schmächtiger Gestalt ist. Keine Ahnung, wie man sich dort als 100 Kilo Mann durchzwängen kann. Und auch bei Gegenverkehr sehe ich da schwarz.
Achtung: Klaustrophobie Attacke
Schwarz ist das Stichwort, denn schwarz vor Augen wird einem dort auch in Wirklichkeit. Über Dutzende von Metern fällt keine Lichtstrahl in die Spalten, es ist zappenduster und eine Taschenlampe/Handylampe leistet „lebensrettende“ Dienste.
Deiwepetz Eingang
Ich hatte mir die Wanderung lange nicht so spannend vorgestellt. Am Mittag lag dann das letzte Teilstück der Etappe vor mir, von Scheidgen nach Echternach. Das konnte keine großen Highlights mehr vorweisen. Im Gegenteil, unendlich viele kleine Auf- und Abstiege entlang der nahen und lärmenden Landstraßen mussten nur noch gegangen werden, der Lustfaktor sank ein wenig. (Dieser letzte Abschnitt der Tour könnte auch bequem mit dem regelmäßig verkehrenden Bus bewältigt werden.)
Trotzdem mein Fazit:
Ein großartiger Trail, bestens ausgeschildert und reich an Höhepunkten. Die Felskulisse war überragend schön und bizarr. Das Wetter hat da keinen Abbruch getan, eher im Gegenteil. Der Trail bietet noch unzählige kleine und große Alternativrouten, viele davon aufgeführt im OUTDOOR Wanderführer Luxemburg: Mullerthal Trail von Thorsten Hoyer / 2024.
Übrigens: Wir sagen Müllerthal, die Franzosen und Engländer sagen Mullerthal und die Luxemburger Mellerdall.
Und: Das Müllerthal heißt so, weil in früheren Zeiten viele Mühlen entlang der hier verlaufenden Schwarzen Erns standen, und sich zudem aus dem nahen Sandstein perfekte Mühlsteine fertigen ließen.
Luxemburg ist nicht weit. Und doch kenne ich mich im nahen Nachbarland nur wenig aus. Seit meiner kurzen Zeit als freier Mitarbeiter bei Radio Luxemburg hatte ich das Großherzogtum wieder völlig aus den Augen verloren. Höchste Zeit das in diesem Winter zu ändern. Mein Ziel war das kleine Städtchen Echternach an der Sauer – das Tor zur Kleinen Luxemburger Schweiz. Dort wurde vor knapp 20 Jahren der 110 Kilometer lange Müllerthal Trail eingerichtet, der aus drei Hauptrouten und vielen verzweigten Extratouren besteht.
Route 2
Ich habe mir die Route 2 ausgesucht – 35 Kilometer ab/bis Echternach mit gut 700 Höhenmetern.
Da die Tage im Februar noch kurz sind und die Wege vermutlich schlammig und naturbelassen, habe ich in Berdorf eine Übernachtung in einem Hotel am Wegesrand eingeplant (Link unten).
Eine Übernachtung im Ort Müllerthal wäre sinnvoller, weil dann die beiden Etappen eine ähnliche Länge hätten. Aber im Februar sind im dortigen Hotel die Türen zu. Also plante ich eine sehr kurze erste Etappe mit 7 Kilometern am Nachmittag des ersten Tages und eine lange Strecke mit knapp 30 Kilometern am zweiten Tag.
Tag 1
Die Anfahrt durch die noch verschneite Eifel war nach knapp zwei Stunden erledigt. Kostenfreies Parken ist in Echternach im Winter kein Problem. Ein kurzer Gang und ich stand vor der wuchtigen Basilika und damit am Ausgangspunkt meiner Tour.
Ab dem nahen Marktplatz starten die Routenschilder/Wegweiser und sie haben mich absolut verlässlich und ohne jede Lücke die komplette Tour geleitet. Das fand ich stark! Schnell lag Echternach hinter und dann unter mir – und die Felslandschaft der Kleinen Luxemburger Schweiz vor mir. Und ich muss sagen: ganz schön beeindruckend.
Die über 50 Meter hohen Sandsteinfelsen bilden über weite Strecken eine tolle Kulisse und der Weg führt mitten hindurch. In der Wolfsschlucht verstärkte das graue Winterwetter die spannende Stimmung. Ganz selten traf ich auf andere Wandersleute.
In Berdorf
ging meine kurze erste Etappe schon gegen 15 Uhr zu Ende. Wobei ich für die knapp 7 Kilometer länger als bei ähnlichen Wanderungen gebraucht habe. Die matschigen und verwinkelten Wegstrecken machten einen 4-5 Kilometerschnitt zu Nichte. Und auch die vielen spannenden Ausblicke, an denen ich stehenblieb und staunte.
Das Trail-Inn Natur und Sport Hotel lag direkt am Weg, bot mir ein gute Bett und leckeres Essen. Nur bei der Verständigug im Restaurant hatte ich Schwierigkeiten. In Luxemburg wird oftmals deutsch, französisch, englisch und luxemburgisch gesprochen. Ich hatte auf Englisch einen Burger mit extra Salat bestellt und bekam ihn auch. Und die aufmerksame Kellnerin fragte mich auf Französisch, ob ich zum Salat noch Brot haben möchte. Glaubte ich zumindest verstanden zu haben. Ich sagte: „Nein!“ und sie fragte nochmal nach, auf Luxemburgisch: „Auch nicht zum Salat?“ Und ich auf Deutsch: „Nö, auch nicht zum Salat.“ Da schaute sie pikiert, fast ein wenig angeekelt und ging von dannen. Und ich realisierte, dass sie nicht von Brot, sondern von Besteck geredet hatte. Burger ohne Besteck geht gut, aber Salat? Ich bin hinter ihr hergelaufen und habe reumütig zugegeben, dass ich es mir anders überlegt habe. Da hellte sich ihre Miene wieder auf.
Tag 2
Am nächsten Morgen hatten die Wetterfrösche kurzerhand aus einem angekündigten Sonnentag einen Nebeltag und dann sogar einen Regentag gemacht. Der Knirps wurde mein bester Freund. Der Weg blieb spannend, tolle Felsformationen (Predigtstuhl), glitschige Wege, traumhafte Moosfelsen.
Dann kam ich in das Touristenkaff Müllerthal, wo ich wirklich nicht mal tot überm Zaun hängen möchte. Was für ein öder Ort, alles versifft, kaputt und verrammelt. Kaum vorzustellen, dass es da im Sommer entscheidend anders aussehen soll.
Auf dem Trail sah es anders aus, felsiger, abenteuerlicher, beengter. In den Felsspalten/Passagen Rittergang, Kohlscheuer und Deiwepetz ist es von ungeheurem Vorteil, wenn man eher von schmächtiger Gestalt ist. Keine Ahnung, wie man sich dort als 100 Kilo Mann durchzwängen kann. Und auch bei Gegenverkehr sehe ich da schwarz.
Schwarz ist das Stichwort, denn schwarz vor Augen wird einem dort auch in Wirklichkeit. Über Dutzende von Metern fällt keine Lichtstrahl in die Spalten, es ist zappenduster und eine Taschenlampe/Handylampe leistet „lebensrettende“ Dienste.
Ich hatte mir die Wanderung lange nicht so spannend vorgestellt. Am Mittag lag dann das letzte Teilstück der Etappe vor mir, von Scheidgen nach Echternach. Das konnte keine großen Highlights mehr vorweisen. Im Gegenteil, unendlich viele kleine Auf- und Abstiege entlang der nahen und lärmenden Landstraßen mussten nur noch gegangen werden, der Lustfaktor sank ein wenig. (Dieser letzte Abschnitt der Tour könnte auch bequem mit dem regelmäßig verkehrenden Bus bewältigt werden.)
Trotzdem mein Fazit:
Ein großartiger Trail, bestens ausgeschildert und reich an Höhepunkten. Die Felskulisse war überragend schön und bizarr. Das Wetter hat da keinen Abbruch getan, eher im Gegenteil. Der Trail bietet noch unzählige kleine und große Alternativrouten, viele davon aufgeführt im OUTDOOR Wanderführer Luxemburg: Mullerthal Trail von Thorsten Hoyer / 2024.
Hier noch ein hilfreicher Link:
https://www.mullerthal.lu/de
Hier der Link zu meinem empfehlenswerten Hotel:
https://de.trailinn.lu
Übrigens: Wir sagen Müllerthal, die Franzosen und Engländer sagen Mullerthal und die Luxemburger Mellerdall.
Und: Das Müllerthal heißt so, weil in früheren Zeiten viele Mühlen entlang der hier verlaufenden Schwarzen Erns standen, und sich zudem aus dem nahen Sandstein perfekte Mühlsteine fertigen ließen.
Noch ein Wandertipp aus unserer Region im Winter:
7 auf einen Streich
Comments (1)
Tolle Wandergegend!!