Am Kathmandu Airport habe ich in den letzten 50 Jahren schon viel erlebt, aber genau drei Minuten zu benötigen, um vom Flieger bis zum Gepäckband zu gelangen, das war sensationell. Hatte der brandneue Premierminister und Hip-Hop Star Balendra Shah etwa auch schon den Bürokratieabbau am Flughafen erfolgreich hinbekommen? Egal, am 14. April konnte ich erfreulich schnell vor die Tore des Flughafens treten und „genüsslich“ den Smog von Kathmandu inhalieren. Zusammen mit meiner Freundin Christina, meinem Schwager Alex und Freund Mark. Alle sehr erfahren am Berg. Christina leitet Kletterkurse für den Deutschen Alpenverein, Alex ist passionierter Skitourengeher und ist mit mir schon den Everest-Marathon gelaufen, Mark wandelt wie im Schlaf fast täglich durchs Siebengebirge (der Mera Peak ist allerdings exakt 14 mal höher als die höchste Erhebung im Siebengebirge – der Ölberg) und ich geh halt auch gerne spazieren.
Der Mera Peak (6470 m) konnte also kommen! Mit Christina, Alex und Mark an meiner Seite gings anschließend zügig zum Stupa von Bodnath, in dessen unmittelbarer Nähe unser Klosterhotel Dolmaling lag.
Der Stupa von Bodnath
Zu viert wollten wir die nächsten Wochen gemeinsam mit meinem nepalesischen Freund Pawan und unserem Team Temba, Nima und Kusang dem Mera Peak auf die Pelle rücken und ihn im besten Fall Ende April besteigen. Keiner von uns hatte jemals zuvor einen über 6400 Meter hohen Berg bestiegen. Die nächsten zwei Tage in Kathmandu waren zäh. Ein bisschen Shoppen und eine kleine Trekkingtour im Shivapuri Nationalpark, nördlich von Kathmandu, ließen die Zeit dann doch vergehen. Wir wollten und mussten auf Pawan warten, der noch einen Job in New Delhi zu erledigen hatte.
Aber am frühen Morgen des 17. April
bestiegen wir unsere Jeeps und konnten los, 250 Kilometer auf staubiger Piste in Richtung Osten. Gut 10 Stunden Rumpelei und Rückenqualen ließen die Lust aufs Loslaufen immens groß werden.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf dieser Piste: 25 km/h
In Paphlu warteten unsere drei Sherpa Burschen, Kusang war schon vor Jahren mit mir zum Everest Marathon unterwegs gewesen. Am nächsten Morgen um 8 Uhr standen wir in den Startlöchern.
Hinten von links: Nima, Kusang, Pawan, Alex, Christina, Temba, vorne: Mark und ich
und los ging das endlose treppauf und ab über schmale Wege,
hin und wieder auch eine staubige Jeeppiste, immer weiter Richtung Osten. Die Sonne brannte oft, nur einmal gerieten wir in einen heftigen Schauer und mussten bei einem freundlichen Bauern Unterschlupf suchen.
Der wunderbare Tee vom „Chef“ weckte unsere Lebensgeister
Mit jedem Tag wurde die Sicht klarer, den Smog ließen wir unter uns, als wir in größere Höhen vorstießen. Ich hatte sehr bewusst die langsame Annäherung an den Berg gewählt, der möglichst optimalen Höhenanpassung wegen und natürlich auch, um unseren Trainingszustand noch etwas zu verbessern. Taksindu, Nunthala, Kari Khola, Panggom und Ramailo Danda hießen die Dörfer am Wegesrand, in denen wir Mittagspause machten,
10 Tage Ski tragen für knapp 10 Minuten Abfahrt am Mera Peak. Dieser Schweizer Sportlerin ist es das wert!
oder unsere Nacht verbrachten. Je höher wir kamen, desto schöner blühten die mitunter uralten Rhododendronbäume.
Blütezeit je nach Höhenlage: März-Mitte Mai
Die einzelnen Wochentage verloren ihre Bedeutung. Im Kopf war oft nur ein Gedanke. Wann hört der Weg mal auf, ständig steil hoch und wieder runter zu gehen. Kommt irgendwann einmal eine ebene Passage? Die Hitze am Tag machte uns allen zu schaffen. Abends gab es nur ein Ziel: nicht vor acht
Gute Nacht sagen.
10 Stunden mehr oder weniger wach (der Höhe wegen) im Schlafsack liegen ist schlichtweg langweilig. Und Lesen ist schwierig, weil einem dann schnell mal die Hände außerhalb des Schlafsacks abfrieren.
Gemütlich war es in fast jeder Lodge
Und immer gab es separate, kleine Zimmer mit hauchdünnen Sperrholzwänden
Vor Ramailo Danda war unser Weg nach Norden abgebogen.
Jetzt wanderten wir, hoch im Tal des Inkhu Khola, „unserem“ Mera Peak jetzt direkt entgegen. Die dreitausend Meter Höhenlinie durchbrachen wir immer öfter. Bei Taktho trafen wir auf den großen Trekkingpfad, der von Lukla über den Zatrwa Pass (4600m) zum Mera Peak führte. Unsere Route wurde belebter und nach einem erneuten, steilen Abstieg bis auf gut 3000 Metern Höhe hieß es jetzt endlich. Ab nun geht’s nur noch eher bergauf. „Die Himmelsleitern“ lagen hinter uns.
Am Ende des 5. Trekkingtages erreichten wir Kothe auf 3580 Metern Höhe.
Wir hatten uns eine erste (und letzte) Dusche auf dem Trek redlich verdient und eine große Runde Kartoffeln.
Kartoffeln bauen die Sherpas bis auf über 4000 Metern Meershöhe an
Den hier vorgesehenen Akklimatisationstag schenkten wir uns. Allen ging es gut. Also legten wir erst im nächsten Dorf, Tangnag, auf 4400 Metern Höhe, unseren ersten „Ruhetag“ bzw. Akklimatisationstag ein. Am Nachmittag hatten wir noch Luft für einen kleinen Ausflug zum Saibai Lake,
Der stille See mit Steinpyramiden davor
und am nächsten Tag gings hoch an die 5000 Meter Grenze. Nach dem Motto walk high and sleep low verbrachten wir ein paar Stunden in größerer Höhe, um am Nachmittag wieder abzusteigen.
Nima und Kusang (im Hintergrund unser See vom Vortag)
Das Wetter spielte weiter mit. Bis mittags schien fast immer die Sonne, wobei sich die Temperaturunterschiede weiter verstärkten. Innerhalb von Sekunden wurde es bei Windstille und Sonnenschein brüllend heiß, genauso schnell kehrte bittere Kälte ein, wenn Böen und Wolken Einzug hielten. Uns stand der mächtige Gebirgsstock des Mera Peak jetzt ständig vor Augen.
Die furchteinfläßende Südwestwand des Mera Peak Massivs
Wir befanden uns an seiner Westseite und mussten ihn noch weiter umrunden, um ihn von Norden her besteigen zu können. Unsere Höhenanpassung funktionierte, keiner klagte über Kopfschmerzen und/oder Übelkeit, oder bösen Husten.
Nima und Kusang haben uns jeweils 10 Kilo Gepäck abgenommen. Sie verdienen ca. 17 Euro am Tag (plus Trinkgeld)
So nahmen wir am 8. Tag unserer Tour die 5000 Meter Höhenlinie in Angriff.
Unser Tagesziel hieß Khare Camp.
Das Camp mit Mera Peak im Hintergrund
Wir waren früh am Ziel, es blieb noch Zeit für einen kurzen Trainingsaufstieg, den ein fieser Schneeschauer allerdings abrupt beendete. Ein weiterer Akklimatisationstag stand auf dem Programm. Bevor es dann richtig ernst wurde. Wenn das Wetter weiter mitspielte! Und unsere Gesundheit!
Auf der Karte gut zu sehen, wie wir um das Massiv hermgewandert sind. Rechts auf der Karte unser weiterer Weg: Mera Base Camp, Mera La (Pass), Mera Gletscher, High Camp, Zentralgipfel
Unser Permit ließ am 28. April einen ersten Besteigungsversuch zu. Puffertage hatten wir eingeplant. Aber in über 5000 Metern Höhe auf besseres Wetter warten macht gar keinen Spaß!
Unser Permit für den Gipfel
Nächsten Freitag folgt an dieser Stelle der „Kampf um den Gipfel“.
Am Kathmandu Airport habe ich in den letzten 50 Jahren schon viel erlebt, aber genau drei Minuten zu benötigen, um vom Flieger bis zum Gepäckband zu gelangen, das war sensationell. Hatte der brandneue Premierminister und Hip-Hop Star Balendra Shah etwa auch schon den Bürokratieabbau am Flughafen erfolgreich hinbekommen? Egal, am 14. April konnte ich erfreulich schnell vor die Tore des Flughafens treten und „genüsslich“ den Smog von Kathmandu inhalieren. Zusammen mit meiner Freundin Christina, meinem Schwager Alex und Freund Mark. Alle sehr erfahren am Berg. Christina leitet Kletterkurse für den Deutschen Alpenverein, Alex ist passionierter Skitourengeher und ist mit mir schon den Everest-Marathon gelaufen, Mark wandelt wie im Schlaf fast täglich durchs Siebengebirge (der Mera Peak ist allerdings exakt 14 mal höher als die höchste Erhebung im Siebengebirge – der Ölberg) und ich geh halt auch gerne spazieren.
Der Mera Peak (6470 m) konnte also kommen! Mit Christina, Alex und Mark an meiner Seite gings anschließend zügig zum Stupa von Bodnath, in dessen unmittelbarer Nähe unser Klosterhotel Dolmaling lag.
Zu viert wollten wir die nächsten Wochen gemeinsam mit meinem nepalesischen Freund Pawan und unserem Team Temba, Nima und Kusang dem Mera Peak auf die Pelle rücken und ihn im besten Fall Ende April besteigen. Keiner von uns hatte jemals zuvor einen über 6400 Meter hohen Berg bestiegen. Die nächsten zwei Tage in Kathmandu waren zäh. Ein bisschen Shoppen und eine kleine Trekkingtour im Shivapuri Nationalpark, nördlich von Kathmandu, ließen die Zeit dann doch vergehen. Wir wollten und mussten auf Pawan warten, der noch einen Job in New Delhi zu erledigen hatte.
Aber am frühen Morgen des 17. April
bestiegen wir unsere Jeeps und konnten los, 250 Kilometer auf staubiger Piste in Richtung Osten. Gut 10 Stunden Rumpelei und Rückenqualen ließen die Lust aufs Loslaufen immens groß werden.
In Paphlu warteten unsere drei Sherpa Burschen, Kusang war schon vor Jahren mit mir zum Everest Marathon unterwegs gewesen. Am nächsten Morgen um 8 Uhr standen wir in den Startlöchern.
und los ging das endlose treppauf und ab über schmale Wege,
hin und wieder auch eine staubige Jeeppiste, immer weiter Richtung Osten. Die Sonne brannte oft, nur einmal gerieten wir in einen heftigen Schauer und mussten bei einem freundlichen Bauern Unterschlupf suchen.
Mit jedem Tag wurde die Sicht klarer, den Smog ließen wir unter uns, als wir in größere Höhen vorstießen. Ich hatte sehr bewusst die langsame Annäherung an den Berg gewählt, der möglichst optimalen Höhenanpassung wegen und natürlich auch, um unseren Trainingszustand noch etwas zu verbessern. Taksindu, Nunthala, Kari Khola, Panggom und Ramailo Danda hießen die Dörfer am Wegesrand, in denen wir Mittagspause machten,
oder unsere Nacht verbrachten. Je höher wir kamen, desto schöner blühten die mitunter uralten Rhododendronbäume.
Die einzelnen Wochentage verloren ihre Bedeutung. Im Kopf war oft nur ein Gedanke. Wann hört der Weg mal auf, ständig steil hoch und wieder runter zu gehen. Kommt irgendwann einmal eine ebene Passage? Die Hitze am Tag machte uns allen zu schaffen. Abends gab es nur ein Ziel: nicht vor acht
Gute Nacht sagen.
10 Stunden mehr oder weniger wach (der Höhe wegen) im Schlafsack liegen ist schlichtweg langweilig. Und Lesen ist schwierig, weil einem dann schnell mal die Hände außerhalb des Schlafsacks abfrieren.
Vor Ramailo Danda war unser Weg nach Norden abgebogen.
Jetzt wanderten wir, hoch im Tal des Inkhu Khola, „unserem“ Mera Peak jetzt direkt entgegen. Die dreitausend Meter Höhenlinie durchbrachen wir immer öfter. Bei Taktho trafen wir auf den großen Trekkingpfad, der von Lukla über den Zatrwa Pass (4600m) zum Mera Peak führte. Unsere Route wurde belebter und nach einem erneuten, steilen Abstieg bis auf gut 3000 Metern Höhe hieß es jetzt endlich. Ab nun geht’s nur noch eher bergauf. „Die Himmelsleitern“ lagen hinter uns.
Am Ende des 5. Trekkingtages erreichten wir Kothe auf 3580 Metern Höhe.
Wir hatten uns eine erste (und letzte) Dusche auf dem Trek redlich verdient und eine große Runde Kartoffeln.
Den hier vorgesehenen Akklimatisationstag schenkten wir uns. Allen ging es gut. Also legten wir erst im nächsten Dorf, Tangnag, auf 4400 Metern Höhe, unseren ersten „Ruhetag“ bzw. Akklimatisationstag ein. Am Nachmittag hatten wir noch Luft für einen kleinen Ausflug zum Saibai Lake,
und am nächsten Tag gings hoch an die 5000 Meter Grenze. Nach dem Motto walk high and sleep low verbrachten wir ein paar Stunden in größerer Höhe, um am Nachmittag wieder abzusteigen.
Das Wetter spielte weiter mit. Bis mittags schien fast immer die Sonne, wobei sich die Temperaturunterschiede weiter verstärkten. Innerhalb von Sekunden wurde es bei Windstille und Sonnenschein brüllend heiß, genauso schnell kehrte bittere Kälte ein, wenn Böen und Wolken Einzug hielten. Uns stand der mächtige Gebirgsstock des Mera Peak jetzt ständig vor Augen.
Wir befanden uns an seiner Westseite und mussten ihn noch weiter umrunden, um ihn von Norden her besteigen zu können. Unsere Höhenanpassung funktionierte, keiner klagte über Kopfschmerzen und/oder Übelkeit, oder bösen Husten.
So nahmen wir am 8. Tag unserer Tour die 5000 Meter Höhenlinie in Angriff.
Unser Tagesziel hieß Khare Camp.
Wir waren früh am Ziel, es blieb noch Zeit für einen kurzen Trainingsaufstieg, den ein fieser Schneeschauer allerdings abrupt beendete. Ein weiterer Akklimatisationstag stand auf dem Programm. Bevor es dann richtig ernst wurde. Wenn das Wetter weiter mitspielte! Und unsere Gesundheit!
Unser Permit ließ am 28. April einen ersten Besteigungsversuch zu. Puffertage hatten wir eingeplant. Aber in über 5000 Metern Höhe auf besseres Wetter warten macht gar keinen Spaß!
Nächsten Freitag folgt an dieser Stelle der „Kampf um den Gipfel“.
Infolink zum Mera Peak
https://de.wikipedia.org/wiki/Mera_Peak
Interner Link zu meinem Vorbericht:
Der Mera Peak und ich
Fotos: Mark van Well / Alex Kauz / Christina Landenberger
Comments (7)
Spannendes Projekt und toller Bericht.
Super geschrieben Mikka!! Ich gedulde mich noch eine Woche bevor ich den link weiterleite…..
Wow – ist das spannend!! Riesen Respekt !!
👍👍👍👍
Wow… Respekt, well done, Mikka 🤍 Ich freu‘ mich auf den zweiten Teil 😊
Was für eine unvergessliche Tour und sehr spannend geschrieben.
Und jetzt noch eine Woche warten?
Ich Fass es nicht – jetzt lässt du mich zappeln wie s weiter geht