Mera Peak – Gipfelanstieg –

Das Khare Camp auf 5000 Metern Höhe bietet für einen Akklimatisationstag einen ziemlichen Luxus: eine Lounge mit Sesseln und Panoramafenstern.

Lounge im Khare Camp am Mera Peak
Luxus in großer Höhe

Und Wärme, wenn die Sonne scheint. Am Morgen unseres 10. Tages kontrollierten wir unser Equipment für den Aufstieg. Steigeisen, Klettergurte, Bergstiefel, Daunenjacken usw. Fast alles hätte vor Ort noch angemietet werden können. Am Mittag kam unser Sherpa, der uns auf den Gipfel leiten sollte, zu uns. Kashi hatte in der aktuellen Saison den Mera Peak schon etwa zwanzigmal bestiegen. Er machte einen entspannten und souveränen Eindruck. Wir reduzierten nochmals unser Gepäck. Nur die wirklich warmen Klamotten wurden von Nima und Kusang noch bis ins Hochlager getragen. Ich hatte meinen Rucksack schon in Tangnag zurückgelassen. Meine Rückenmuskulatur schmerzte extrem unangenehm. Am 27. April zogen wir fürs Finale los.

Das mächtige Massiv des Mera Peak

Erst eine Moräne hinauf, dann durch eine wilde Blocklandschaft bis ins Basislager (5350 m).

Pausen wurden immer wichtiger

Und kurz dahinter lag der Crampon Point, also der Ort, an dem vom Fels ins Eis gewechselt wurde, und wir unsere Steigeisen anlegten.

Crampon Point am Mera Peak
Wechsel von Fels aufs Eis

Die  Sonne brannte vom Himmel. Es war heiß, trotzdem vermummten wir uns gegen die gleißende Strahlung.

Am Mera Pass machten wir Rast,

aßen und tranken etwas und bereiteten uns auf die lange Steigung hinauf zum Hochlager vor. Das Atmen wurde endgültig zur Mühsal. Der Gipfel des Mera Peak war zum Greifen nah, leider noch 1000 Meter über uns. Am frühen Nachmittag lag das Hochlager vor uns, etwas versteckt und windgeschützt an einer Felsrippe, die aus dem ewigen Eis ragte. (Wie „ewig“ wird das Eis hier wohl noch sein?).

Hochlager am Mera Peak
Das Hochlager wirkt nur im Sonnenschein nett

Wir bezogen zu zweit unsere Zelte, bereiteten alles für die kurze Nacht vor, tranken in unserem Esszelt Gingertee und schlürften Nudelsuppe. Meine Hochachtung galt dem Koch, der in 5800 Meten Höhe, bei Sturm und Schnee, täglich völlig erschöpfte Bergsteiger:innen versorgt. Fast vierundzwanzig Stunden am Tag.

Küche im Hochlager am Mera Peak
Pawan und Temba mit Nudelsuppe vom Chefkoch

Mit den letzten Sonnenstrahlen auf dem Zelt verpasste Pawan mir noch schnell eine Rückenmassage, ich habe ihn dafür geliebt. Um sieben Uhr krochen wir dick vermummt in die Schlafsäcke, zusammen mit unseren Bergstiefeln, die wir dort warm hielten. Dann habe ich die Minuten gezählt, bis kurz nach Mitternacht. Es war bitterkalt, der Mond schien und der Wind hielt sich bedeckt.

Mera Peak Massiv bei Mondlicht
Nächtlicher Blick über das Mera Peak Massiv

Um zwei Uhr zogen wir los, angeseilt und mit Stirnlampen ausgerüstet.

Im Schneckentempo ging es die unterschiedlich steilen Rampen hinauf. Wie gut, dass im Dunkeln die Steilheit schwer zu sehen war. Gefühlt haben wir sie schon!

3 Stunden Aufstieg in der Dunkelheit

Einige Seilschaften überholten wir mit einem Kraftakt. Ich ging hinter Kashi am Seil, erst 100 kleine Schritte, dann Pause, später 50 kleine Schritte und dann nur noch 30 bis zur nächsten Atempause. Vor fünf wurde es hell, die gigantische Bergwelt um uns herum erwachte. Der Everest grüßte von Norden.

Im linken Hintergrund von links: Nuptse, Everest, Lhotse, rechts: Makalu (8485 m)

Die 6000 Meter Höhenlinie hatten wir hinter uns. Die mächtige Gipfelrampe lag schon in der Sonne, als wir sie in Angriff nahmen. Jetzt tat jeder Schritt so richtig weh. Den Blick nur noch auf die eigenen Füße gerichtet. Wie gut, dass der Kopf klar blieb – kein Kopfschmerz, kein großer Schwindel.

Der Gipfelgrat mit Seilschaft im Aufstieg

Dann verjüngte sich die Rampe, wurde immer ausgesetzter, bis nur noch ein schmaler Grat nach oben führte. Und dann war es geschafft, um 7 Uhr am Morgen des 28. April.

Alle standen oder saßen wir auf dem 6470 Meter hohen Gipfel.

Gipfel Mera Peak
Vorne: Kashi – Mitte: ich – Hinten von links: Mark, Pawan, Christina, Temba, Alex

Für laute Freude fehlte die Energie, aber innendrin waren wir alle überglücklich. Wir hatten den Gipfel in der wärmenden Sonne lange für uns allein, bevor die nächste Seilschaft ihr Ziel erreichte.

Fünf Stunden Aufstieg für 1,2 Kilometer Strecke und 670 Höhenmeter – ohne Sauerstoff aus der Flasche natürlich!

Gipfel des Mera Peak im Khumbu Himal
Gipfel des Mera Peak mit Nuptse (7861 m), Everest (8848 m) und Lhotse (8516 m) im zentralen Hintergrund, ganz links: der Cho Oyu (8188 m)

Den Rückweg nahmen wir im Sauseschritt, machten am Höhenlager kurz Pause und zogen dann zügig weiter talwärts, Richtung Wärme und dicker Luft. Erst beim Abstieg sah ich, wie unendlich sich die Aufstiegsspur den Gletscher hinaufzog. Das war mir beim Aufstieg glücklicherweise nicht so klar gewesen. Im Khare Camp (5000 m) kroch schnell die Kälte wieder in die Glieder, für Hungergefühle war ich zu erschlagen. Der Zustand  von großer Erschöpfung  und gleichzeitigem Glücklich sein ist ein seltsamer Zustand. Wir hätten jetzt alle gerne eine einheimischen Rum in den heißen Tee gemischt, aber unsere Mägen sagten: Nein!

Am nächsten Morgen lag Neuschnee

Khare Camp am Mera Peak
Hier wollten wir nur noch weg, allerdings zu Fuß!

und die Dankbarkeit für unser Wetterglück wuchs nochmals. Bei diesen Verhältnissen, die die nächsten Tage noch schlechter werden sollten, wäre ein Aufstieg völlig undenkbar gewesen. Wir latschten zu Tal, der Schnee schmolz, die Lunge lachte und die Sonne tat kurzfristig selbiges. In Tangnag (4300 m) habe ich mich völlig ermattet neben zwei Maultiere auf die Wiese vor die Lodge gelegt. Der Lodgebesitzer sah meine Not und brachte mir den Tee an meine Ruhestätte. Ich war soo dankbar. Am Nachmittag erwischte uns der erste heftige Schneeregen unserer Tour. Aber irgendwie war jetzt alles egal. Unsere Zufriedenheit war grenzenlos, meine Erschöpfung auch.

Am Nachmittag waren wir zurück in Kothe, nur noch etwa 3600 Meter hoch gelegen.

Es war kalt und nass und 25 Russen turnten in der Lodge um uns herum. Sie waren auf dem Hochweg, entsprechend legten sie auf Duschen und gepflegtes Äußeres noch Wert.

Uns sollte am nächsten Morgen ein Helikopter nach Kathmandu bringen. Da gab es einen Pool und heiße Duschen.

Am nächsten Morgen kam das Fluggerät leider nicht, wegen Nebel und Regen. Und das galt auch für den darauffolgenden Tag. Einmal glaubte Christina einen Helikopter zu hören. Aber es war nur die Waschmaschine der Hüttenchefin, die im Nachbarraum auf Schleudergang umstellte. Wir hingen einfach nur ab, lasen, dösten, tranken Tee, spielten mit dem Handy.

Pawan hatte große Lust auf Schlafen

Mark und sein kleiner Freund, beide allerdings in ihrer eigenen Welt

Am Morgen des 2. Mai regnete und schneite es erneut. Ich stellte mich auf weiter wandern ein, zwei Tage und wieder über einen 4600 Meter hohen Pass, vermutlich mit extrem viel Neuschnee.

Ein Matratzenträger beim Abstieg vom „bösen“ Pass

Dann trommelte Temba uns zusammen: Heli coming in 10 minutes. Unser Gepäck lag schon auf dem kleinen Kartoffelacker, der als Landeplatz diente.

Der Heli landete, und es war keine Waschmaschine.

Wir sprangen an Bord, quetschten uns mit allem Gepäck in die Sitze und ab gings in die Luft. Über den „bösen“ 4600 Meter hohen Pass und dann sagte der Pilot: 3 minutes to land.

Das war ein Schreck, um nicht zu sagen ein Schock! Kathmandu war 45 Flugminuten entfernt und in unmittelbarer Nähe von uns lag nur der STOL Flughafen Lukla. Für mich ein Ort mit keinen guten Erinnerungen. Dieses Mal klappte alles bestens. Wir wechselten nur Pilot und Fluggerät.

Lukla’s neuer Heliport

Zum Frühstück waren wir in Kathmandu, völlig unwirklich! Nach 14 Trekkingtagen mit 10000 bewältigten Höhenmetern, 135 Kilometern Wegstrecke und 80 hinter uns gebrachten Wanderstunden. Und Mark sagte lapidar: Ich setze mich jetzt in die Sonne und warte, bis der Schweiß kommt. Am übernächsten Tag sind die Drei nach Hause geflogen. Ich bin mit Pawan weiter an den Begnas See gefahren,

Begnas Lake bei Pokhara/Nepal
Begnas See mit Machapuchare (6993 m) im Hintergrund

habe mich massieren lassen, das 24 Grad warme Seewasser genossen, meine Gewichtszunahme eingeleitet,

Mit frischem Fisch aus dem See

Freunde getroffen, mit Pemba zu Abend gegesen und bin dann am 7. Mai nach Hause geflogen. Hier gehe ich derzeit nicht so viel zu Fuß. Ich fahre lieber mit dem Bus!

Unsere Freunde am Berg: Pawan und Temba

Unser Guide für den Gipfelaufstieg: Kashi

Interner Link zum Mera Peak Beitrag von letzter Woche

Mera Peak

Link für mein „Shangrila“: das Begnas Lake Resort (im Programm von NEUE WEGE / Rheinbach)

https://www.neuewege.com/asien/nepal/ayurveda-und-yoga-im-angesicht-des-annapurna

Absolut zu empfehlen: Die SRF-Dokumentation 1-4 auf YouTube / Wahnsinn am Everest

  1. Die neuen Chefs am Berg
  2. Der Traum vom Gipfel
  3. Das Heli Business
  4. Die Sherpas

Fotos: Pawan, Christina, Alex, Mark

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

Comments (5)

  1. Super, Gratulation. Auf dem heimischen Sofa liest es sich wunderbar und könnte noch länger dauern. Aber ich kann eure Emotionen nachvollziehen.Eure Bilder sprechen ihre Sprache.
    Roni

  2. Unglaublicher Bericht, Mikka! Ihr könnt sehr stolz auf euch sein. Nächstes Mal möchte ich dabei sein!!!

    ps: ich würde deinen Blog sehr gerne abonnieren ☺️

  3. 🔥🔥🔥

  4. Was gür ein Abenteuer. Nichts für schwache Nerven. Ich wäre noch mach Lukhla spaziert 😉.

  5. Hans Küpper

    Toll👍👍👍

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