Paragleiten

Individuelles Flugvergnügen überall auf der Welt

Mit Eigenverantwortung, Frustrationstoleranz, körperlicher Fitness, Üben am Gerät und Kenntnissen über Wind und Wetter ist Paragleiten ein sicherer Sport, der unendlich viele Freude und Genuss bereitet.

Auf Madeira

Über Südtirol

Vom freien Fliegen

geträumt habe ich schon immer. Einfach nur mit den Armen kräftig schwingen und dann abheben, steil in die Höhe über Bäume, Häuser und Berge und die Erde einfach unter mir lassen.

Im Jahr 1998 wurde mir dann klar, dass mit den Armen schlagen nicht ganz reicht. Eine große „Luftmatratze“ musste schon her. Die stellte mir der Sky Club Austria in Moosheim im Ennstal (Steiermark) zur Verfügung. Dazu wurde mir dort auch beigebracht, wie ich die Matratze in die Luft bekam. Groundhandling, Miniflüge, Theorieunterricht, Höhenflüge, Prüfungsflug und Theorieprüfung folgten und dann war ich fit fürs freie Fliegen in kontrollierten Fluggebieten. Und ich war süchtig! Schon kleine 5 Minuten Flüge versetzten mich in einen tagelang anhaltenden Höhenrausch. Und so folgten zwei weitere Kurse mit praktischen und theoretischen Prüfungen, anschließend war ich bereit fürs Fliegen auf der weiten Welt.

Fliegen weltweit

Jeder Berg, jede Düne, ja schon jeder größere Hang, ganz gleich ob in Neuseeland, auf den Seychellen, auf den Fiji Inseln, auf Bali, Madeira, in der Sahara, in Ägypten, in Norwegen, in Namibia oder im Himalaya wurden von mir auf ihre Flugtauglichkeit hin überprüft und oft auch beflogen.

Auf Fiji

war es ein 30 Sekunden Hüpfer, auf Bali ein 5 Stundenflug. In Nepal saßen hunderte Kinder an meiner Startwiese, in Ägypten erlaubte mir ein Scheich von seinem Berg zu starten. Auf den Seychellen landete ich am Rande des internationalen Flughafens, in Namibia musste ich wegen einbrechender Dämmerung auf einer Düne „notlanden“ und auf Fuerteventura hatte ich mit einem „Hüpfer“ gerechnet, aus dem ein Zweistundenflug wurde. Am Gardasee hatte ich die Wasserlandung schon einkalkuliert, als der Wind doch noch ein Einsehen mit mir hatte und mich zur kleinen Landewiese drückte.

Auch in der Sahara hab ich es mal versucht

Wobei wir beim Thema wären: Wind

Mal ist er zu stark, mal zu schwach, mal kommt er von vorne, mal von hinten, mal ist er böig, mal wechselt er im Minutentakt die Richtung. Perfekt ist ein Wind von vorne, mit 10 bis 20 Stundenkilometern. Dann kann man den Schirm entspannt in den Wind ziehen, rückwärts zum Schirm stehend, und hebt nach ein paar Schritten ganz sanft ab. Wenn man dann in einen laminaren Aufwind, zum Beispiel entlang einer Düne, oder in eine schöne, wenig zerrissene Thermik einfliegt, dann wartet der pure Hochgenuss, oft stundenlang.  

Walk & Fly

Wobei ich sagen muss. Fast noch erfüllender ist es, wenn ich früh am Morgen meinen 6 Kilo leichten Bergschirm schultere und einen Berg in Angriff nehme. Am Vormittag dann eine einsame Hochalm oder einen in den Wind gerichteten Berghang finde, eine halbe Stunde raste, den Wind studiere und dann den Schirm auslege. Anschließend in aller Ruhe ins Gurtzeug steigen, die Leinen sortieren, den Höhenmesser aktivieren, Helm und Handschuhe anziehen und mit zwei Schritten abheben und nur noch genießen, Thermik hin oder her.

Auch ein sanfter Sinkflug

im Herbst oder Winter, ohne jede Turbulenz, bringt mich zum Jubilieren. Eigentlich ist es immer das Gesamtpaket, was zählt. Die saubere Planung der Tour, richtiges Einschätzen der Wetterverhältnisse, Finden eines geeigneten Startplatzes, die finale Entscheidung für den Flug. Wenn alles passt, ein gelungener Start, der Flug selbst und eine saubere Landung.

Walk & No Fly

Na klar, es gibt auch solche Tage wie im letzten Sommer: Ich starte um 7 in der Früh mit dem Flieger auf dem Rücken, es ist noch frisch. 1500 Höhenmeter liegen vor mir. Erst noch im Schatten des Bergwaldes, dann in der gleißenden Sonne auf einer steilen, unendlich langen Alm, durch die der Pfad in Serpentinen nach oben führt. Bis auf 2700 Meter Meereshöhe. Ich kenne den Startplatz in einem Hochkar unweit der Sayathütte in Osttirol. Hier gibt es am Morgen fast immer Bergwind, der sich dann langsam legt und in den gewünschten Talwind umschlägt, in meinem Fall von Nord auf Süd oder Südost dreht. Es ist wolkenlos, ich liege in der Sonne und warte auf den passenden Wind und der denkt nicht ans Drehen, im Gegenteil er bläst immer stärker aus Nord.

Zwischendurch keimt Hoffnung auf, die sich dann wieder zerschlägt. Gegen 1 Uhr entscheide ich aus einem geplanten Flugtag einen Bergwandertag zu machen und ziehe los wieder Richtung Tal, zu Fuß.

Auch ein wenig frustriert, aber Frust legt sich bei gutem Wetter in grandioser Natur, und:

lieber kein Flug als ein „Scheiß-Flug“. Das habe ich gelernt!

Paramotoring

Fliegen über der Heimat

Vor gut 10 Jahren habe ich mich dann noch einmal in die Lehre begeben und das Paragleiten mit Motor erlernt. Ein 35 Kilo Rucksackmotor bringt soviel Power, dass ich von einer ebenen Wiese nahe meinem Wohnort abhebe und stundenlang über meine Heimat fliegen kann. Der Start ist nicht leicht, denn mit dem Gewicht den Schirm aufziehen, ins Laufen kommen, Gas geben, weiterlaufen, Schirm kontrollieren und Abheben – das ist komplex! Aber wenn es gelingt, ist der Rest ein Kinderspiel.

An ruhigen Abenden habe ich die Hände im Schoß, sitze völlig entspannt in meinem Gurtzeug, lenke allein mit ein wenig Körperverlagerung und cruise durch die Luft, mal 300 Meter hoch, mal knapp über die Baumwipfel, mal knapp über Grund. Das macht unfassbar viel Spaß.

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

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