Weiße Frau und schwarzer Hund

weiße Frau mit schwarzen Hunden

Eine ziemlich weiße Frau spielte hingebungsvoll mit ihren fünf ziemlich schwarzen Freunden – an einer kleinen Talsperre in der Voreifel.

Was ging mich das an, fragst du. Ich werde es dir sagen.

Es war im letzten Sommer.

Ich war bis in den Abend gewandert, ein paar Dutzend Kilometer waren es schon. Entsprechend müde erreichte ich mein Ziel, eine ebene Wiese an diesem kleinen Stausee. Ich gönnte mir Käse und Rotwein und genoss Frieden und Freiheit und anschließend einen tiefen Schlaf im Biwaksack unterm Sternenhimmel. Und dann kam der Morgen und mit ihm diese weiße Frau mit ihren 5 Monstern. Täglich grenzdebile Handygespräche irgendwo im öffentlichen Raum mit anhören zu müssen – daran haben wir uns gewöhnt. Aber hast du mal morgens um halb sieben Uhr dem Gespräch, dem Geschrei, dem Genöle und dem Gezetere einer weißen Frau mit ihren 5 schwarzen Freunden zuhören müssen.

Ich wollte nur noch weg,

konnte ich aber nicht, weil dann mein morgendliches Bad ausgefallen wäre, also begann ich zu grübeln und Fragen im Kopf zu wälzen, hier eine kleine Auswahl:

  • Muss die Tante ihr Bällchen genau dort ins Wasser werfen, wo man mit nackten Füßen halbwegs unverletzt ins Wasser kommt?
  • Muss sie ihre bescheuerten Ballspiele morgens um halb sieben absolvieren?
  • Hätte sie sich nicht besser 5 Kinder angeschafft. Denen hätte sie hier wenigstens schwimmen oder irgendetwas anderes halbwegs Sinnvolles beibringen können. Und sie hätte auch Kindergeld kassieren können, übrigens genau € 1088,-, statt Hundesteuer zu zahlen.
  • Ist ihr als Veganerin (ich denke das ist sie) eigentlich klar, dass sie mit ihren Tölen massiv den Klimawandel befeuert. 2,5 Kilo Fleisch hauen die sich zusammen pro Tag in die Wampen (das schaffe ich kaum in einem Monat). Wer einen Hund sein Eigen nennt, schädigt die Umwelt genauso, als würde er 3700 Kilometer mit dem Auto durch die Landschaft fahren. Jeder Deutsche fährt im Schnitt 13.000 Kilometer pro Jahr mit dem Auto. Diese Veganerin ist also mit ihren 5 Tölen eine echte – Entschuldigung – Umweltsau.

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den müden Augen:

Der Trend geht nun mal zum Fünfthund, vegan hin oder her.

Den Klimawandel ist sowieso Bill Gates schuld, genauso wie Corona.

Hunde lassen sich ein Leben lang auf bescheuerte Spielchen ein, Kinder nicht.

Und mit denen hätte sie hier gar nicht schwimmen gehen dürfen. Nicht mal die Böschung hätte sie betreten dürfen, aber ich hätte hier auch nicht pennen dürfen. Gut, dass sich nach Durchzug einer Kaltfront über Nacht kein Eis auf dem See gebldet hat und auch keine Angel neben mir im Gras lag. Da hätte ich mir ja glatt ein Frühstück angeln können, aber nicht dürfen. Und dann realisierte ich: Mir war gar nichts wie Schuppen von den Augen gefallen. Ich war einfach wieder eingechlafen und hatte wirres Zeug geträumt. Oder doch nicht?

Egal, ich bin dann zu der weißen Frau gegangen – ganz nah an ihr vorbei – und ins Wasser gestiegen. Ich habe ihren Frieden gestört, sie hat mir kein einziges Bällchen zugeworfen. Sie hat ihren triefenden Kötern was zugeflüstert und war verschwunden, als ich wieder dem See entstieg.

Atmen ist hier erlaubt

Interner Link zu einer weiteren skurrilen Geschichte:

Monstertruck-Show am Kurpark

Link zu meinem Buch mit Kurzgeschichten:

https://www.rowohlt.de/buch/mikka-bender-is-nebensaison-da-wird-nicht-mehr-geputzt-9783644444614

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

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