Reisekatalogsprache

Ein Buch mit 7 Siegeln

„Zimmer zur Meerseite“ – „neu eröffnetes Hotel“ – „verkehrsgünstige Lage“

Was uns Reisekataloge (und auch Pauschalreise- Beschreibungen im Netz) wirklich sagen wollen

Hier eine kleine Übersetzungshilfe:

Sonnenstrand Bulgarien
Strandhotel am Sonnenstrand in Bulgarien
Starndhotel Nordzypern
Auch schön: Famagusta

Stell dir vor, du liest in einem Reiseprospekt folgende Beschreibung: „Das Hotel ist bei Stammkunden sehr beliebt, es liegt verkehrsgünstig an der Uferpromenade, verfügt über helle und freundliche Zimmer, die Atmosphäre ist leger.“

Welche Art von Hotel hast du vor Augen?

Variante A: Dieses beliebte Hotel ist eine schicke und komfortable Herberge, die zentral und doch schön am Meer gelegen ist.

Variante B: Dieses Hotel steht kurz vor der Schließung, es liegt auf einer Verkehrsinsel. Die Uferpromenade ist eine sechsspurige Autobahn, die Zimmer sind heruntergekommen, die letzten Gäste saufen sich von morgens bis abends die Bruchbude schön.

Wenn du dir Variante A vorgestellt hast, benötigst du dringend Nachhilfeunterricht in Sachen Reisekatalogsprache.

Ein Reisekatalog

ist ein Mittel, um gezielt Werbung zu machen. Von daher wird in ihm systematisch geschönt, es wird getäuscht und nur die halbe Wahrheit gesagt. Manchmal sogar die Unwahrheit. Und die Bilder in den Katalogen machen zwar fast immer Lust auf Urlaub, bilden aber selten die Wirklichkeit ab. Hier wird hemmungslos getrickst, Hässliches wegretuschiert und grau Aussehendes nachkoloriert. Um sich nicht permanent der Gefahr auszusetzen, von Kunden verklagt zu werden, schreiben Veranstalter auf oder unter die Fotos in ihren Katalogen, die Zimmer abbilden: „Wohnbeispiel“.

Unweigerlich überlegt man sich da: Wenn die Aufnahme im Katalog nur ein Beispiel ist, so wäre es doch ganz interessant zu wissen, wovon es ein solches Beispiel ist: von einem Hotelzimmer irgendwo auf der Welt oder von einem Zimmer der unter dem Foto beschriebenen Herberge. Der Reiseveranstalter lässt den Kunden darüber im Unklaren. Er kann sich nur einer Sache sicher sein: Das im Prospekt abgebildete Zimmer wird nicht einmal andeutungsweise so aussehen und so eingerichtet sein wie das, das er tatsächlich bucht, bezahlt und später dann bezieht.

Generell ist die Katalogsprache

eine Sprache für sich, ein Geheimcode der Reisebranche, der für Außenstehende – also Urlauber – schwierig bis gar nicht zu entschlüsseln ist. Der alleinige Zweck, sich diesem zu bedienen, besteht darin, dem Verkaufsobjekt „Pauschalreise“ einen möglichst attraktiven und positiven Schein zu verschaffen. Entspricht das Produkt dann vor Ort den Charakterisierungen nicht, hat der Kunde Pech gehabt. Er hat die Reise bezahlt und kann sie nicht mehr zurückgeben.

Damit Du gegenüber dem Geheimcode und den darin verborgenen Hotelfallen besser gewappnet bis, hier einige der verlogensten Umschreibungen in Reisekatalogen (und auch bei Hotelbeschreibungen im Netz) und deren tatsächliche Bedeutungen:

 Zum Hotel und seiner Lage

  • „Hotel in relativ ruhiger Umgebung“ = relativ ruhig nur im Verhältnis zur Dortmunder Südtribüne
  • „Hotel in zentraler Lage“ = Lärmbelästigung garantiert
  • „Neu eröffnetes Hotel“ = Probebetrieb, die Bauarbeiten sind noch nicht beendet, kaum etwas funktioniert reibungslos.
  • „Direkt am Meer gelegen“ = hoch über dem Meer gelegen, einen Strand sollte man nicht erwarten.
  • „Direkt an der Uferpromenade gelegen“ = vierspurige Straße, auf der vierundzwanzig Stunden am Tag der Verkehr rollt.
  • „Verkehrsgünstige Lage“ = günstig ist die Lage nur für den Verkehr.
  • „Touristisch gut erschlossener Ort“ = rund um die Uhr „Ballermann-Ambiente“
  • „Nur fünf Minuten bis zum Strand“ = zu Fuß eventuell eine Stunde
Fuerteventura
alle Hotels 5 Minuten vom Strand entfernt (der schöne Süden von Fuerteventura)
  • „Das weitläufig angelegte Hotel …“ = oftmals heruntergekommenes und mit Bauruinen durchsetztes Gelände

 Zu den Qualitäten des Hotels

  • „Unaufdringlicher Service“ = kein Service, weil es viel zu wenig Personal, geschweige denn Fachpersonal gibt.
  • „Frühstücksbüfett“ = kann heißen, dass man sich dort den Kaffee, eine abgepackte Marmeladensorte, Weißbrotscheiben, Gurkenstücke und Tomatenscheiben selbst holen darf.
Ordnung ist das halbe Leben

Wer zu spät kommt…

  • „Beliebte teilrenovierte Ferienanlage“ = heruntergekommene Anlage mit Baulärm und Dreck, in der man renovierte Zimmer meist nur gegen Aufpreis erhält.
Duschkopf erneuert, der Rest hält noch

Klobürste mit Renovierungsstau

Zu den Zimmern

  • „Zweckmäßig eingerichtet“ = hier gibt es mit ziemlicher Sicherheit einen massiven Renovierungsstau.
  • „Landestypisch eingerichtet“ = extrem simpel und veraltet
  • „Helle freundliche Zimmer“ = die Zimmer haben Fenster.
  • „Klimatisierbare Zimmer“ = siehe beheizbarer Pool
  • „Zimmer zur Meerseite“ = kein Meerblick
Landestypisch (Türkei AI)

Zum Strand und zum Meer

  • „Hoteleigener Strand“ = kann den Ghettocharakter der Hotelanlage verstärken. Wenn alle Hotels in der näheren Umgebung eigene Strände haben, können Strandspaziergänge ins Wasser fallen, weil die Strände mit Bretter- oder Drahtzäunen voneinander abgetrennt sind und schwer bewacht werden (das ist besonders in Ägypten der Fall).
  • „Langer Sandstrand“ = lang und eventuell sehr, sehr schmal
  • „Naturbelassener Strand“ = kann einer wilden Müllkippe recht nahe kommen.
Strand auf Zypern (Nord)

Wenn so „ein Müll“ in Katalogen steht, Hotel Broschüren gelackt, Hotelbewertungen im Netz gefakt werden und Reiseberichte von Reiseredakteuren geschönt werden, weil deren Reisen von Reiseveranstaltern bezahlt werden… wem kann ich dann noch glauben und wie kann ich das für mich pefekte Urlaubsziel finden?

Keine Ahnung – doch: frag mich!

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert