Bei Hermann

Ein Wochenendbesuch!

Nicht umsonst wurde meine VOX-Wolkenlos Sendung immer mit dem Moderatorinnen-Spruch „schönes Fernweh“ beendet. Mich selbst hat das Fernweh ganz schön herumgetrieben, beruflich und privat. Irgendwann kam aber auch ich zu der Erkenntnis, dass es vor der Haustür auch ganz Spannendes zu entdecken gibt, zudem Klima schonender und Corona angepasster. Das Hermannsdenkmal zum Beispiel!

Heimat erkunden rund um das Hermannsdenkmal

Vorletztes Wochenende habe ich mich in meinen VW Bus gesetzt und bin nach Bad Meinberg gefahren, im Kreis Lippe. Ein Kaff mit kaum 5000 Einwohnern, das ziemlich verwahrlost am Rande meines eigentlichen Ziels sein Dasein fristet. Ich stellte meinen Bus auf den Parkplatz des örtlichen Freibades, in dem sich null Badegäste befanden, aber zwei Bademeister langweilten. Auf perfekt ausgeschildertem Weg kam ich nach kaum 20 Minuten zu den Externsteinen. Meinem ersten Highlight im Teutoburger Wald.

Externsteine im Lipperland
Berühmte Felsen im Lipperland

Diese Sandstein-Felsformationen sind die über 100 Millionen Jahre alten Überreste eines kreidezeitlichen, nordwesteuropäisches Flachmeeres, in dem sich Sedimente abgelagert hatten. Ein Natur- und Kulturdenkmal im Lipper Land! Ich hatte von diesen Brocken noch nie was gehört. Jetzt stand ich vor ihnen und dachte: Ok, na ja, geht so.

40 Meter hohe Steine im Lipperland
Externsteine

Mit ca. 40 Metern Höhe gehören sie halt eher zu den kleineren Brocken, aber fürs Lipperland, immerhin!

Toter Teutoburger Wald

Rund um die Brocken wuselten auch ganz schön viele Menschen herum, manche kletterten sogar auf ihnen herum. Das hab ich mir verkniffen und mir lieber den Teutoburger Wald angeschaut, den toten Teutoburger Wald. Der Borkenkäfer kennt auch hier keine Gnade und lässt die Nadelbäume ganz schön braun aussehen.

Borkenkäfer im Teutoburger Wald
Deutscher Nadelwald im Sommer 2021

Mein nächster Stopp: Die Falkenburg, also die Ruine derselben. Hermann II. hatte sie vor über 800 Jahren erbaut. Nach einem üblen Brand war Fürstin Pauline zur Lippe ein ganz schlechtes Vorbild, indem sie sich aus den Steinen der Burg eine schöne Straße bauen ließ. Jeder, der in der Region nicht unbedingt über eine ganze Straße, aber zumindest  über einen Neubau nachdachte, wusste fortan, wo er die Steine für sein Fundament klauen konnte.

Falkenburg Ruine im Lipperland
Die Reste der Falkenburg

Jetzt gibt’s für unsereins nur noch die windigen Überreste dieser einstmals stolzen Höhenburg zu bestaunen. Mir wurde es ziemlich schnell zu windig, also habe ich den Rückweg angetreten und anschließend, erstmalig in meinem Leben, auf einem deutschen Campingplatz eingecheckt.

Campingplatz Quellental bei Detmold
Platz genug im Quellental

Premiere

In der Nähe von Detmold, diesem Nabel der Welt, genau gesagt: im Quellental.

https://www.campingplatz-quellental.net/

Mikka Bender beim Camping
Premiere: Camping in Deutschland

Ich bekam einen Stellplatz, einen Schlüssel für die Dusche und eine Wegbeschreibung durch den Wald hin zu einem Griechen, mit Namen Spartakus. Den bestellten Spartakus Teller habe ich sauber aufgegessen und mit dem Gruß aus der Küche, einem Ouzo, nachgespült. Zurück im Quellental stand ein Dethleff neben mir. Ich habe den Insassen von Dethleff eine gute Nacht gewünscht und meine erste deutsche Campingnacht gegen 22.35 Uhr eingeläutet. Natürlich hatte ich als blutiger Anfänger nicht die Wasserwaage beim Parken auf der Wiese eingesetzt, entsprechend rollte ich, der Schwerkraft folgend, im Halbstundentakt von der Matratze. Das war schlecht für meine Nachtruhe, aber gut für meinen Start in den Morgen. Der erfolgte sehr früh. Frohgemut stürmte ich zu Hermann.

Donoper Teich im Lipperland
Donoper Teich

https://hermannshoehen.teutoburgerwald.de/

Hermannshöhen-Wanderweg
Perfekte Ausschilderung, ohne Karte und Handy ganz simpel den Schildern folgen

Durch einen wunderbaren, menschenleeren Wald mit kleinem See und beschaulichen Pfaden.

Am Ziel: Hermannsdenkmal

Nach acht Kilometern sah ich ihn in der Morgensonne strahlen. Ich hatte ihn für mich allein, konnte ihn von allen Seiten bestaunen und seine Stärke auf mich wirken lassen. Auf einer nahen Inschrift erfuhr, ich dass Ernst von Bandel einst diesen Hermann erschaffen ließ.

Ernst von Bandel, der Erbauer des Hermannsdenkmal
Der Erbauer mit seinem Werk im Hintergrund: dem Hermannsdenkmal

Nur nirgendwo stand geschrieben, warum Hermann Hermann heißt und nicht Arminius – so wie der Cherusker eben, der im Jahre neun den Römern hier kräftig auf die Glocke bzw. den Helm geschlagen hatte. Ich habe es herausgefunden. Je nach Lust und Laune nannten die Vorfahren der Lipper, also die Menschen aus dem Lipperland, den Arminius auch mal Siegried oder eben Hermann. Wenig überzeugend, aber so war es wohl. Sehr überzeugend allerdings die imposanten Ausmaße des Herren auf dem Sockel. Knapp 27 Meter pure Manneskraft, knapp 54 Meter, wenn man den Unterbau mitrechnet.

Hermann im Teutoburger Wald
Hermann, oder Arminius, oder Siegfried

Von 1875 bis 1886 war Hermann nicht nur der größte Hermann der Welt, sondern auch die höchste Statue der westlichen Welt, bis die Freiheitstatue fertig wurde. Als der erste Frühsportler seine Yogamatte zu Füßen von Hermann ausrollte, trollte ich mich wieder ins Gebüsch. Und stand erst wieder gegen 5 am Nachmittag im Quellental, unter der Dusche für 1 Euro. Fast, denn da stand vor mir erstmal der Mann aus dem Dethleff.

Idyllischer Campingplatz Quellental im Lipperland
Campingplatz Quellental bei Detmold

Mein Fazit:

Der Teutoburger Wald ist ein deutscher Wald, der an der ein und anderen Stelle ziemlich krankt, aber insgesamt eine kleine Erkundungstour wert ist. Besonders, wenn man nach getaner Wanderarbeit noch Lust auf einen Altstadtbummel, z.B. durch Lemgo, hat. Oder wie ich, „unser“ Hermannsdenkmal noch nie gesehen hat. Ich sage nur: unbekanntes, aber ganz schönes Lipperland.

Interner Link: (auch wenn die Passagen rund um die Ahr derzeit nicht zu durchwandern sind/besser dort nicht wandern, lieber spenden oder helfen gehen!)

Heimatwandern

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

Comments (2)

  1. Externsteine und Hermannsdenkmal – obligatorisches Ziel aller ostwestfälischen Schulkinder. Der Wald sah damals anders aus, ist aber auch schon ein paar Jahre her.

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