Müder Vater Rhein

Es ist fürchterlich in diesen Tagen.

Berserker regieren die Welt, Heidi Klum ist 53 Jahre alt geworden, in Nordkorea soll wegen der Hitze mehr Hundefleischsuppe gegessen werden und unser Vater Rhein macht schlapp. Anstatt uns, wie ein guter Vater – Gottes gleich – mit lebensspendendem Wasser zu versorgen, uns als Verkehrsweg zu dienen und als Kraft spendender Erholungsort, plätschert er antriebslos als Rinnsal durchs vertrocknende Land und lässt an vielen Stellen nur noch kleine Kajaks auf sich treiben.

Niedrigwasser im Rhein bei Rolandseck
Auf die Insel Nonnenwerth (rechts) bei Rolandseck gelangt man jetzt auch zu Fuß

Viel Spaß hat er aber weiter daran, seinen besoffenen Söhnen die Möglichkeit zu eröffnen nach dem Saufen auch das finale Absaufen zu erleben. Das geht auch wunderbar, wenn der Rheinpegel niedrig, dafür der Alkoholpegel umso höher ist. Dieser hippen rheinischen Trinkkultur haben die Stadtoberen in Köln einen Riegel vorgeschoben. Da darf man ab letztem Jahr nur noch in maximal knöcheltiefem Wasser im Rhein stehen.

Rheinische Frohnaturen finden das absurd. Ich auch.

Mir stand das Rheinwasser bis zum Hals (und ich habe überlebt)

Im letzten Jahr sind im Rhein etwa 12 Menschen ertrunken. Da sind aber auch 481 Motorradfahrer in Deutschland umgekommen, 10 bei meiner Lieblingssportart Paragleiten, 2500 beim Autofahren, 7000 beim Werkeln/Treppen steigen/auf Leiter klettern im Haushalt und 44000 beim Saufen. Also nicht direkt beim Saufen, aber wegen zu viel Saufen. Soll das jetzt alles in Köln verboten werden?

Na Prost, darauf ein kaltes Kölsch!

Übrigens: Bis Ende Juli 2026 schätzte das RKI schon ca. 2270 Hitzetote in NRW. Wenn man von ca. 16 Mio. Einwohner für NRW und 1 Mio. Einwohner für Köln ausgeht, ergibt sich proportional eine Zahl von 139 Hitzetoten für Köln. Hätten die ihrem Tod entgehen können, wenn die Stadt ihnen erlaubt hätte, sich im Rhein ein wenig abzukühlen? Sollen die Städte nicht neuerdings für Abkühlung sorgen?

Fragen über Fragen….

Jetzt muss ich mich aber auch nicht künstlich aufregen, denn Vater Rhein ist schließlich auf dem allerbesten Weg dafür zu sorgen, dass Ordnungshüter in Köln, übrigens auch in Düsseldorf (nicht aber in Bonn) nicht damit behelligt werden, mit Zollstock bewaffnet, Wassertreter im Rhein zu verhaften.

Schwimmer im Rhein
Er steht im Bonner Stadtgebiet, wird also noch nicht von Ordnungshütern belästigt

Der trocknet einfach aus und bestätigt damit auch die Bonner Kommunalpolitiker in ihrer Grundhaltung: Probleme erledigen sich irgendwann von selbst, man muss nur genügend Sitzfleisch beim Aussitzen haben.

Ich war Mitte August mit meinem Kajak auf dem Rhein südlich von Bonn unterwegs und musste folgendes feststellen:

Der Rhein beeilt sich beim Austrocknen.

Ich habe Menschen im Rhein gesehen, alle lebend. Ich habe keine Fische gesehen, auch keine toten. Ich habe in drei Stunden ein Schiff gesehen und das war groß und noch nicht auf Grund gelaufen.

Ein großes und ziemlich leeres Schiff auf dem Rhein

Und in der nachmittäglichen Hitze habe ich vor der Insel Nonnenwerth eine Fata Morgana gesehen. Zwei Menschen, die übers Wasser gehen konnten. Als ich näherkam, sah ich, dass es zwei Senioren aus dem nahen Altersheim waren. Die waren offensichtlich ausgebüxt und gingen nicht übers Wasser, sondern durchs Wasser.

Pure Abenteuerlust im hohen Alter

Am Abend zu Hause habe ich mich weiter mit Vater Rhein beschäftigt. Und folgendes herausgefunden. Der aktuelle Rheinpegel (13.8.) bei Bonn lag bei 66 Zentimeter. Der gleichwertige Wasserstand bei 142 Zentimeter und die Fahrrinnentiefe liegt bei 250 Zentimeter.

Das heißt im Klartext:

Der Rhein bei Bonn war am 13. August noch maximal 174 cm tief (250 cm / 66-142= 76 / 250-76 = 174).

Auf Zehenspitzen hätte ich also auch die tiefste Stelle des Rheins locker zu Fuß passieren können. Ein schöner Gedanke, vor allem wegen der derzeitigen Brückenproblematik in Bonn. Ich warte noch ein paar Tage, bis der Pegel noch ein Stück gefallen ist. Dann kann ich auch meine 1,7 Meter große Frau mitnehmen – auf eine schöne Wanderung durch den Rhein auf die Schäl Sick.

P.S. Das mit meiner Frau hat leider nicht geklappt. Heute, am 21.08.26., ist der Pegel in Bonn wieder bis auf 91 Zentimeter gestiegen. Blöd für unseren Ausflug, dafür sehr aufmunternd für Vater Rhein.

Mehr auf meinem Blog zum Rhein:

Rheinschwimmen

Mit dem Kajak über den Mittelrhein

Link für den aktuellen Rheinpegel Bonn

https://dashboards.udp.bonn.de/superset/dashboard/pegel/?standalone=3&show_filters=0

Der Rhein in Höhe Drachenfels bei normalem, sommerlichen Niedrigwasser

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

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