Der 9. August stand seit dem Winter schon in meinem Kalender. Zwei alte Lauffreunde hatten sich und mich zum 48. Monschau Marathon angemeldet. Früher hatten wir das Marathon laufen in Monschau eigentlich nur billigend in Kauf genommen, um anschließend über das grandiose Kuchenbuffet herzufallen. Das geht heute nicht mehr, weil wir schlichtweg zu spät ins Ziel kommen und die sportliche Konkurrenz uns gnadenlos nur noch Krümel übriglässt. Nicht schlimm, schlimmer war, dass meine Kumpels schwächelten und für Sonntag absagen mussten. Umso schöner dann wieder, dass meine Tochter Johanna sich kurzfristig entschlossen hatte, mit an den Start zu gehen. Am Vorabend quartierte sie sich bei uns zu Hause ein und so trafen wir beide uns am Sonntagmorgen um 03.30 Uhr an meinem Küchentisch. Es gab Nescafé und wahlweise eine Banane.
Um Punkt 4 Uhr,
noch in der Dunkelheit, düsten wir anschließend in die Eifel, mit Ziel Konzen. Das ist ein zu Monschau gehörender Höhenort, in dem alle Jahre wieder über 400 freiwillige Helfer:innen dafür sorgen, dass bewegungshungrige Menschen aus 38 Nationen an den Start gehen, um laufend und walkend das Hohe Venn unter die Sohlen zu nehmen. Kleinkinder rennen dabei bei Bambiniläufen um die Wette, Wandersleute versuchen sich an der Marathon Distanz beim sogenannten Genuss-Marathon und Halbprofis messen sich auf der 70-Kilometer Runde.
Gegen halb sechs lag Konzen in der Dämmerung vor uns. Das Warm-up Programm hatten die Konzener dieses Jahr ganz pfiffig organisiert. Sie hatten die Parkplätze so weit nach Außerhalb gelegt, dass wir bei Ankunft im Startbereich schon perfekt auf Wettkampftemperatur waren.
Ziemlich entspannt: die Marathon-Gemeinde vor dem Start
Um 6.15 erfolgte unser Start für den Genuss-Marathon.
Einen Lauf, wahlweise eine Wanderung, über die klassische Marathondistanz (42,195 km).
Für Johanna war die Distanz eine Premiere. Und los gings. Zunächst eher bergab bis ins idyllische Monschau. Die Einwohner lagen noch überwiegend in den Betten.
Monschau besitzt eine sehr idyllische Altstadt
Bei uns war es weniger gemütlich, dafür angenehm kühl in der frischen und schattigen Morgenluft. Johanna hatte die Strecke vorab sorgfältig studiert und wusste, dass bei Kilometer 12 eine ordentliche Steigung auf uns wartete. 160 Höhenmeter mussten rund um das Holderbachtal „vernichtet“ werden. Das hat sie sehr gut hinbekommen und ab da wusste sie, dass es nicht mehr viel schlimmer werden konnte. Wurde es auch nicht, aber es wurde wärmer und die Hälfte war noch nicht geschafft.
„Schwester Wasser“ – ein Spruch eines Laufkollegen, der vor Jahren mit mir an so einer netten Getränkestation vorbeikam
Ich bin viele Marathon allein gelaufen oder gewandert. Was für ein schöner Unterschied, wenn man die eigene Tochter an der Seite hat. Wir wanderten sehr diszipliniert einen 6er Schnitt, schafften also pro Stunde sechs Kilometer.
Lange ging das gut, bis etwa Kilometer 32.
Da stand für Johanna der Mann mit dem Hammer.
Gitarrensolo am Wegesrand – irgendwo im Nirgendwo
Bis dahin unbekannte und unbedeutende Körperstellen meldeten sich bei ihr mit seltsamen Schmerzen zu Wort. Ein mir bekanntes Phänomen, gegen das noch kein Kraut gewachsen ist. Ich glaube Johanna hat sich jetzt öfter mal gefragt, wo bei diesem Marathon der Genuss geblieben war.
Der Mann mit der Dusche steht jedes Jahr hier, man kennt sich
Wir wurden etwas langsamer, hielten immer intensiver Ausschau nach den Kilometermarken am Wegesrand und versuchten bei den letzten Steigungen den Blick nicht mehr zu heben. Denn was hilft es, wenn man sich das „Elend“ andauernd anschaut. Macht nur schlechte Laune. Gar keine schlechte Laune machte das Wetter. Die Sonne hielt sich mitunter, überraschenderweise in diesem Sommer, ganz vornehm zurück. Und über die Höhen der Eifel wehte ein wunderbarer Wind. Beim letzten Anstieg ins Ziel nach Konzen, das immerhin knapp 600 Meter hoch liegt, machten alle Schmerzen dann kurz mal Pause, um beim Finisher-Bier im Ziel mit neuer Kraft aufzuerstehen.
Absolut – wir haben es genauso gewollt
Zufrieden und glücklich waren wir trotzdem. Für mich war es der 13. Marathon in Monschau und ich erinnere mich noch gut an einen Zuschauer bei meinem ersten Lauf, irgendwo an der Strecke. Der hatte mir in seiner typischen Eifeler Freundlichkeit ein Schild mit diesem aufbauenden Spruch hingehalten: „Quäl dich du Sau“.
Die Aufmunterung am Wegesrand: eindeutig freundlicher in diesem Jahr
Beim Gang zum Auto gabs bei Johanna klare Abzüge in der B-Note. Da war der Genuss doch ein wenig in die Knie gegangen. Egal, nächstes Jahr kommen wir wieder, alleine des Genusses wegen!
Leider hat die Region Monschau ja eine Woche später ein fürchterliches Desaster erlebt. Da, wo wir rund um Kalterherberg und Mützenich durch sommerliche Wiesen und Auen gelaufen sind, und am Wegesrand von den netten „Eifelmenschen“ mit Erfrischungen versorgt wurden, herrschten nur Tage später apokalyptische Verhältnisse. Der Flächenbrand im Hohen Venn hat die Menschen dort über Tage in Todesangst versetzt. 3400 Hektar Hochmoor- und Heidelandschaft sind letztendlich verbrannt. Die Dörfer konnten allesamt gerettet werden.
Interner Tipp zu meinem alternativen Genuss-Marathon:
Der 9. August stand seit dem Winter schon in meinem Kalender. Zwei alte Lauffreunde hatten sich und mich zum 48. Monschau Marathon angemeldet. Früher hatten wir das Marathon laufen in Monschau eigentlich nur billigend in Kauf genommen, um anschließend über das grandiose Kuchenbuffet herzufallen. Das geht heute nicht mehr, weil wir schlichtweg zu spät ins Ziel kommen und die sportliche Konkurrenz uns gnadenlos nur noch Krümel übriglässt. Nicht schlimm, schlimmer war, dass meine Kumpels schwächelten und für Sonntag absagen mussten. Umso schöner dann wieder, dass meine Tochter Johanna sich kurzfristig entschlossen hatte, mit an den Start zu gehen. Am Vorabend quartierte sie sich bei uns zu Hause ein und so trafen wir beide uns am Sonntagmorgen um 03.30 Uhr an meinem Küchentisch. Es gab Nescafé und wahlweise eine Banane.
Um Punkt 4 Uhr,
noch in der Dunkelheit, düsten wir anschließend in die Eifel, mit Ziel Konzen. Das ist ein zu Monschau gehörender Höhenort, in dem alle Jahre wieder über 400 freiwillige Helfer:innen dafür sorgen, dass bewegungshungrige Menschen aus 38 Nationen an den Start gehen, um laufend und walkend das Hohe Venn unter die Sohlen zu nehmen. Kleinkinder rennen dabei bei Bambiniläufen um die Wette, Wandersleute versuchen sich an der Marathon Distanz beim sogenannten Genuss-Marathon und Halbprofis messen sich auf der 70-Kilometer Runde.
Gegen halb sechs lag Konzen in der Dämmerung vor uns. Das Warm-up Programm hatten die Konzener dieses Jahr ganz pfiffig organisiert. Sie hatten die Parkplätze so weit nach Außerhalb gelegt, dass wir bei Ankunft im Startbereich schon perfekt auf Wettkampftemperatur waren.
Um 6.15 erfolgte unser Start für den Genuss-Marathon.
Einen Lauf, wahlweise eine Wanderung, über die klassische Marathondistanz (42,195 km).
Für Johanna war die Distanz eine Premiere. Und los gings. Zunächst eher bergab bis ins idyllische Monschau. Die Einwohner lagen noch überwiegend in den Betten.
Bei uns war es weniger gemütlich, dafür angenehm kühl in der frischen und schattigen Morgenluft. Johanna hatte die Strecke vorab sorgfältig studiert und wusste, dass bei Kilometer 12 eine ordentliche Steigung auf uns wartete. 160 Höhenmeter mussten rund um das Holderbachtal „vernichtet“ werden. Das hat sie sehr gut hinbekommen und ab da wusste sie, dass es nicht mehr viel schlimmer werden konnte. Wurde es auch nicht, aber es wurde wärmer und die Hälfte war noch nicht geschafft.
Ich bin viele Marathon allein gelaufen oder gewandert. Was für ein schöner Unterschied, wenn man die eigene Tochter an der Seite hat. Wir wanderten sehr diszipliniert einen 6er Schnitt, schafften also pro Stunde sechs Kilometer.
Lange ging das gut, bis etwa Kilometer 32.
Da stand für Johanna der Mann mit dem Hammer.
Bis dahin unbekannte und unbedeutende Körperstellen meldeten sich bei ihr mit seltsamen Schmerzen zu Wort. Ein mir bekanntes Phänomen, gegen das noch kein Kraut gewachsen ist. Ich glaube Johanna hat sich jetzt öfter mal gefragt, wo bei diesem Marathon der Genuss geblieben war.
Wir wurden etwas langsamer, hielten immer intensiver Ausschau nach den Kilometermarken am Wegesrand und versuchten bei den letzten Steigungen den Blick nicht mehr zu heben. Denn was hilft es, wenn man sich das „Elend“ andauernd anschaut. Macht nur schlechte Laune. Gar keine schlechte Laune machte das Wetter. Die Sonne hielt sich mitunter, überraschenderweise in diesem Sommer, ganz vornehm zurück. Und über die Höhen der Eifel wehte ein wunderbarer Wind. Beim letzten Anstieg ins Ziel nach Konzen, das immerhin knapp 600 Meter hoch liegt, machten alle Schmerzen dann kurz mal Pause, um beim Finisher-Bier im Ziel mit neuer Kraft aufzuerstehen.
Zufrieden und glücklich waren wir trotzdem. Für mich war es der 13. Marathon in Monschau und ich erinnere mich noch gut an einen Zuschauer bei meinem ersten Lauf, irgendwo an der Strecke. Der hatte mir in seiner typischen Eifeler Freundlichkeit ein Schild mit diesem aufbauenden Spruch hingehalten: „Quäl dich du Sau“.
Beim Gang zum Auto gabs bei Johanna klare Abzüge in der B-Note. Da war der Genuss doch ein wenig in die Knie gegangen. Egal, nächstes Jahr kommen wir wieder, alleine des Genusses wegen!
Leider hat die Region Monschau ja eine Woche später ein fürchterliches Desaster erlebt. Da, wo wir rund um Kalterherberg und Mützenich durch sommerliche Wiesen und Auen gelaufen sind, und am Wegesrand von den netten „Eifelmenschen“ mit Erfrischungen versorgt wurden, herrschten nur Tage später apokalyptische Verhältnisse. Der Flächenbrand im Hohen Venn hat die Menschen dort über Tage in Todesangst versetzt. 3400 Hektar Hochmoor- und Heidelandschaft sind letztendlich verbrannt. Die Dörfer konnten allesamt gerettet werden.
Interner Tipp zu meinem alternativen Genuss-Marathon:
Marathon am Everest:
Und hier der Link für den nächsten Monschau Marathon im August 27
https://monschau-marathon.de/