Auch für den Namensgeber der Lasörlinggruppe habe ich mir einen frühen Starttermin auferlegt. Schon um halb sechs stehe ich wiederstartklar auf dem Parkplatz in Prägraten an der Isel. Ich habe den Lasörling früher mehrmals von der Bergersee Hütte aus bestiegen. Heute will ich den direktesten Anstieg über die Lasnitzenalm in Angriff nehmen.
Karte am Wegesrand in Prägraten – Der höchste Gipfel ist der Lasörling, die rechte Route habe ich genommen
Aufstieg
Dafür heißt es erst einmal den wenig spektakulären Fahrweg bis zur Alm hinter mich bringen. Das ist in der kühlen Morgenluft ein bisschen langweilig, aber wenig kräftezehrend. Nach 1,5 Stunden lasse ich die Alm rechts liegen und steige über den Muhs Panoramaweg gemächlich bergan.
Auf 1900 Metern Höhe liegt die Lasnitzenalm
Nach weiteren 30 Minuten zweigt der Panoramaweg nach links ab und führt über die Muhs-Kuppe weiter zur Bergersee Hütte. Für mich heißt es jetzt: Farbe bekennen. Im Talschluss führt der schmale aber gut markierte Weg direkt dem Gipfel des Lasörling entgegen, dabei wird er schleichend immer steiler und gerölliger.
Ein „zäher“ und immer steiler werdender Anstieg
Mir ist klar, dass ich in diesem Talkessel etwa 1000 Höhenmeter überwinden muss und das dauert halt und kostet Schweiß. Wobei auch heute mit zunehmender Höhe der Nordwind immer kräftiger und kälter wird. Nach 3,5 Stunden, auf ca. 2700 Metern Höhe, kommen die Hände immer öfter zum Einsatz. Die Stöcke hänge ich mir an den Rucksack. Eine Vielzahl von fixen Stahlseilen erleichtert das Aufsteigen. Schwindelfreiheit darf hier kein Problem sein.
Mitunter muss man die Markierungen suchen
Ich muss mich sehr darauf konzentrieren, den richtigen Tritt zu finden. Im steilen Block- und Schuttgelände ist der Steig oft nicht zu erkennen. Und dann passiert es schnell, dass man den falschen Tritt nimmt, dies dann realisiert und wieder ein paar Meter absteigen muss.
Immer schön ruhig und fokussiert aufsteigen
Letzte Etappe
Bei schlechtem Wetter mit Nebel und Regen/Schnee hat man hier oben absolut nichts verloren. Ich bin auch heute am Berg allein unterwegs, wobei es mich in diesem Gelände nicht weiter wundert. So atemberaubend der Berg vor mir in den Himmel ragt, es ist ein dunkler, steiler Klotz, der seinen Tribut fordert.
Der Kegel des Lasörling
Bei der Lasörlingscharte auf knapp 3000 Metern bietet sich eine kleine Rast an, von hier kann der Blick ungehindert nach Süden schweifen. Der Gipfel ragt jetzt im Osten empor. Eine letzte, steile Geröllpassage liegt vor mir.
In meiner Jugend lag oberhalb des Sees noch ein kleiner Hängegletscher – Blick nach Osten Virgen und Matrei
Dann folgt der blockige Gipfelaufbau und dann das heiß ersehnte Gipfelkreuz.
Ich mag Gipfelkreuze
Reinhold Messner
bezeichnet Gipfelkreuze als „Humbug“. Über die buddhistischen Gebetsfahnen auf Himalayagipfeln hat er sich noch nie aufgeregt. In den Tiroler Bergen siedeln Katholiken, also stehen dort Kreuze auf den Bergen. Zu Füßen von Himalayariesen wohnen Buddhisten, also hängen dort Gebetsfahnen an den Gipfeln. So einfach ist das. Wenn die Tiroler einem Buddhisten oder Moslem verbieten würden zum Gipfelkreuz aufzusteigen, ja dann hätten wir ein Problem.
Ca. 5 Stunden habe ich für den Aufstieg benötigt, 1800 Höhenmeter in schwierigem Gelände kosten halt Zeit. Das frühe Aufstehen macht sich jetzt bezahlt. Das Gipfelbuch ist zig Jahre alt und immer noch nicht ganz vollgeschrieben.
Das schon ziemlich zerfledderte Gipfelbuch
Der Lasörling ist halt „kein Menschenfreund“. Ich bin sehr froh, wieder einmal auf ihm stehen zu dürfen. Der Wind ist mir gnädig, ich kann meine Jause am Kreuz in der Sonne genießen und Kraft tanken für den Abstieg.
Rückweg – Teil 1
Nach 20 Minuten packe ich zusammen und verlasse gestärkt den Gipfel.
Ein Blick bis zu den Dolomiten im Süden
Kurz überlege ich, den längeren aber bequemeren Weg über die Bergersee Hütte zu nehmen.
Da hinunter führt der Umweg über die Bergersee Hütte
Ich entscheide mich dagegen. Auf der Lasnitzenalm warten Tiroler Knödel auf mich, ein schlagendes Argument für die Direttissima. Der Rückweg zieht sich, zumal der endlose Abstieg in die Beine geht. Es müssen dann zwei Radler und zwei fette Knödel sein.
Mein Leibgericht in den Tiroler Alpen
Rückweg – Teil 2
Nach ausgiebiger Rast trotte ich satt und zufrieden ins Tal. Ein kleiner Regenschauer kann mich jetzt nicht mehr stören, weiter oben und früher am Tag hätte er mich wohlmöglich zum Umkehren gezwungen. Zurück in Prägraten muss ich mir noch einen Kaffee gönnen, ansonsten besteht akute Einschlafgefahr auf der Rückfahrt ins 35 Kilometer entfernte Lienz. Denn die Tour war super schön, aber auch super anstrengend.
Gehzeit gesamt: ca. 9 Stunden
Höhenmeter: ca. 1800
Laufstrecke: ca. 20 km
Fazit:
Eine durchaus schwere Wanderung in hochalpinem Gelände. Wichtig: Schwindelfreiheit, gutes Schuhwerk und stabiles Wetter ohne Gewitterneigung schon am frühen Nachmittag.
Mein nächstes Ziel für die kommenden Tage: die Weißspitze
Sie ist 3300 Meter hoch, liegt auf der anderen (nördlichen) Talseite im Großvenediger Gebiet und wurde von mir noch nie bestiegen.
Die Tour stelle ich nächste Woche hier auf meinem Blog www.mikkameint.de vor.
Hier gibt es weitere Infos zum Virgental und Nationalpark Hohe Tauern.
Teil 2: Besteigung Lasörling (3.098 m)
Auch für den Namensgeber der Lasörlinggruppe habe ich mir einen frühen Starttermin auferlegt. Schon um halb sechs stehe ich wiederstartklar auf dem Parkplatz in Prägraten an der Isel. Ich habe den Lasörling früher mehrmals von der Bergersee Hütte aus bestiegen. Heute will ich den direktesten Anstieg über die Lasnitzenalm in Angriff nehmen.
Aufstieg
Dafür heißt es erst einmal den wenig spektakulären Fahrweg bis zur Alm hinter mich bringen. Das ist in der kühlen Morgenluft ein bisschen langweilig, aber wenig kräftezehrend. Nach 1,5 Stunden lasse ich die Alm rechts liegen und steige über den Muhs Panoramaweg gemächlich bergan.
Nach weiteren 30 Minuten zweigt der Panoramaweg nach links ab und führt über die Muhs-Kuppe weiter zur Bergersee Hütte. Für mich heißt es jetzt: Farbe bekennen. Im Talschluss führt der schmale aber gut markierte Weg direkt dem Gipfel des Lasörling entgegen, dabei wird er schleichend immer steiler und gerölliger.
Mir ist klar, dass ich in diesem Talkessel etwa 1000 Höhenmeter überwinden muss und das dauert halt und kostet Schweiß. Wobei auch heute mit zunehmender Höhe der Nordwind immer kräftiger und kälter wird. Nach 3,5 Stunden, auf ca. 2700 Metern Höhe, kommen die Hände immer öfter zum Einsatz. Die Stöcke hänge ich mir an den Rucksack. Eine Vielzahl von fixen Stahlseilen erleichtert das Aufsteigen. Schwindelfreiheit darf hier kein Problem sein.
Ich muss mich sehr darauf konzentrieren, den richtigen Tritt zu finden. Im steilen Block- und Schuttgelände ist der Steig oft nicht zu erkennen. Und dann passiert es schnell, dass man den falschen Tritt nimmt, dies dann realisiert und wieder ein paar Meter absteigen muss.
Letzte Etappe
Bei schlechtem Wetter mit Nebel und Regen/Schnee hat man hier oben absolut nichts verloren. Ich bin auch heute am Berg allein unterwegs, wobei es mich in diesem Gelände nicht weiter wundert. So atemberaubend der Berg vor mir in den Himmel ragt, es ist ein dunkler, steiler Klotz, der seinen Tribut fordert.
Bei der Lasörlingscharte auf knapp 3000 Metern bietet sich eine kleine Rast an, von hier kann der Blick ungehindert nach Süden schweifen. Der Gipfel ragt jetzt im Osten empor. Eine letzte, steile Geröllpassage liegt vor mir.
Dann folgt der blockige Gipfelaufbau und dann das heiß ersehnte Gipfelkreuz.
Reinhold Messner
bezeichnet Gipfelkreuze als „Humbug“. Über die buddhistischen Gebetsfahnen auf Himalayagipfeln hat er sich noch nie aufgeregt. In den Tiroler Bergen siedeln Katholiken, also stehen dort Kreuze auf den Bergen. Zu Füßen von Himalayariesen wohnen Buddhisten, also hängen dort Gebetsfahnen an den Gipfeln. So einfach ist das. Wenn die Tiroler einem Buddhisten oder Moslem verbieten würden zum Gipfelkreuz aufzusteigen, ja dann hätten wir ein Problem.
Ca. 5 Stunden habe ich für den Aufstieg benötigt, 1800 Höhenmeter in schwierigem Gelände kosten halt Zeit. Das frühe Aufstehen macht sich jetzt bezahlt. Das Gipfelbuch ist zig Jahre alt und immer noch nicht ganz vollgeschrieben.
Der Lasörling ist halt „kein Menschenfreund“. Ich bin sehr froh, wieder einmal auf ihm stehen zu dürfen. Der Wind ist mir gnädig, ich kann meine Jause am Kreuz in der Sonne genießen und Kraft tanken für den Abstieg.
Rückweg – Teil 1
Nach 20 Minuten packe ich zusammen und verlasse gestärkt den Gipfel.
Kurz überlege ich, den längeren aber bequemeren Weg über die Bergersee Hütte zu nehmen.
Ich entscheide mich dagegen. Auf der Lasnitzenalm warten Tiroler Knödel auf mich, ein schlagendes Argument für die Direttissima. Der Rückweg zieht sich, zumal der endlose Abstieg in die Beine geht. Es müssen dann zwei Radler und zwei fette Knödel sein.
Rückweg – Teil 2
Nach ausgiebiger Rast trotte ich satt und zufrieden ins Tal. Ein kleiner Regenschauer kann mich jetzt nicht mehr stören, weiter oben und früher am Tag hätte er mich wohlmöglich zum Umkehren gezwungen. Zurück in Prägraten muss ich mir noch einen Kaffee gönnen, ansonsten besteht akute Einschlafgefahr auf der Rückfahrt ins 35 Kilometer entfernte Lienz. Denn die Tour war super schön, aber auch super anstrengend.
Gehzeit gesamt: ca. 9 Stunden
Höhenmeter: ca. 1800
Laufstrecke: ca. 20 km
Fazit:
Eine durchaus schwere Wanderung in hochalpinem Gelände. Wichtig: Schwindelfreiheit, gutes Schuhwerk und stabiles Wetter ohne Gewitterneigung schon am frühen Nachmittag.
Mein nächstes Ziel für die kommenden Tage: die Weißspitze
Sie ist 3300 Meter hoch, liegt auf der anderen (nördlichen) Talseite im Großvenediger Gebiet und wurde von mir noch nie bestiegen.
Die Tour stelle ich nächste Woche hier auf meinem Blog www.mikkameint.de vor.
Hier gibt es weitere Infos zum Virgental und Nationalpark Hohe Tauern.
https://www.osttirolerland.com/virgental/praegraten-a-g
Und noch zwei interne Links zu Wandertouren in der Region:
An der Alpenkönigsroute
Grossvenediger-Höhenweg
Und abschließend noch der Link für die Lasnitzenalm:
https://www.virgental.at/unterkuenfte/unterkunft-suche/detail/unterkunft/lasnitzenhuette-1900m