Obersulzbachtal

Das Obersulzbachtal im Salzburgerland, genauer im Oberpínzgau, ist ein über 15 Kilometer langes Seitental, das südwärts bis zum Großvenediger im Nationalpark Hohe Tauern verläuft. Ich hatte dieses Tal bis zu diesem Herbst auf meinen Wanderungen eher vernachlässigt. Meine Aufstiege zum Großvenediger hatte ich immer vom südlich gelegenen Virgental via Defreggerhaus aus gestartet. Nur am wunderschönen Seebachsee, oberhalb der Berndlalm, hatte ich vor zwei Jahren mal vorbeigeschaut.

Der Seebachsee im Obersulzbachtal
Der Blick über den Seebachsee, der Lohn nach einem steilen Aufstieg

Aufstieg

In diesem Frühherbst hatte ich gut trainierte Begleitung, da war der Besuch im Obersulzbachtal fast schon Pflicht.

Mit Schwester Roni und Schwager Alex

Mit dem Hüttentaxi der Kürsingerhütte hatte wir uns online für 11 Euro pro Person am Morgen die Auffahrt zur Berndlalm gesichert. So konnten wir uns den unteren und eher langweiligen Teil des Obersulzbachtals sparen und starteten unsere Tour erst bei der Alm auf ca. 1500 Metern Höhe. Im noch teils schattigen Tal zog sich der Fahrweg nur sanft steigend durch die idyllische Landschaft.

Obersulzbachtal
Oberhalb der Berndlalm wird das Obersulzbachtal richtig schön

Der Alpenhauptkamm rund um den Großvenediger rückte nur langsam näher. Das Obersulzbachtal ist halt ein langes, tiefes Tal. Nach knapp zwei Stunden hatten wir die Talstation der Materialseilbahn für die Kürsingerhütte erreicht und waren bis auf knapp 2000 Metern Höhe gewandert. Aus dem Fahrweg wurde jetzt ein wunderbarer Wanderweg mit großartigen Aussichten.

Am Wegesrand ein Hinweisschild, bis wohin die Gletscherströme (Obersulzbachkees) Anfang des 20 Jahrhunderts noch reichten.

Gletscherstand von 1927 am Obersulzbachkees
Traurig, aber wahr!

Dann drehte der Weg vom Talgrund weg nach links, eine Steilstufe mit ein paar fixen Seilsicherungen wartete auf uns. Das war anstrengend, brachte aber in kurzer Zeit mal ein paar ordentliche Höhenmeter zusammen. Wiederum knapp zwei Stunden später standen wir an der imposanten Kürsinger Hütte, auf 2558 Metern Höhe.

Die Kürsingerhütte mit ca. 150 Schlafplätzen

Historie

Von hier erfolgte am 3. September 1841 die erfolgreiche erste Besteigung des Großvenedigers (3657 m). 40 Pinzgauer Männer mit zwei gesunden Beinen wollten mit von der Partie sein. 26 erreichten den Gipfel über den heutigen Normalweg via Venedigerscharte. 14 Berggesellen machten unterwegs schlapp. Zu den Erstbesteigern zählte auch der Pinzgauer Burggraf Ignaz von Kürsinger. Von ihm stammt die Bezeichnung „weltalte Majestät“ für den Großvenediger und nach ihm ist die Kürsingerhütte auch benannt.

Wir genossen wunderbare Ausblicke in die schwindende Gletscherwelt rund um den Großvenediger und Großen Geiger, unter uns der Obersulzbachsee.

Links der Große Geiger mit den Resten des Obersulzbachkees

Dort lag zu Zeiten von Kürsinger ein völlig zerklüfteter Eisbruch des Obersulzbachgletschers. Der Burggraf nannte diese Stelle Türkische Zeltstadt, weil sie ihn an ein Zeltlager erinnerte.

So ähnlich muss der Gletscherbruch zu Zeiten von Kürsinger ausgesehen haben

Wir sind von der Hütte noch eine halbe Stunde weiter nach oben gewandert. Die ersten Bergsteiger, die am frühen Morgen von hier zum Großvenediger aufgebrochen waren, kamen uns auf ihrem Rückweg entgegen. Sie hatten perfekte Wetterverhältnisse am Gipfel.

Weg von der Kürsingerhütte zum Großvenediger
Von hier sind es noch gut 4 Stunden bis zum Gipfel des Großvenedigers, dessen Spitze in der Wolke hing (erst links, dann Richtung Venedigerscharte und dann nach rechts bis zum Gipfel)

Am frühen Nachmittag, als der Wind frischer und kälter wurde, haben wir das Sonnenplateau verlassen und uns wieder in Richtung Tal begeben. Unser Taxi stand nach gut einer Stunde überpünktlich an der Materialseilbahn. Gut dreißig Euro haben uns die beiden Transfers pro Person gekostet. Eine lohnende Investition, wie wir auf der langen Talabfahrt bis zum Blausee (925m), wo unser Auto stand, erleichtert feststellten.

Fazit:

Eine lange, wunderschöne Wanderung bis hinein ins hochalpine Gelände. Die Taxifahrten (Hinweg bis Berndlalm, Rückweg ab Materialseilbhan), so wie wir sie gemacht haben, verkürzen die Wanderung entscheidend. Wären wir die komplette Strecke hin und retour gelaufen, hätten wir inkl. einer Pause gut 10 Stunden einplanen müssen. Und hätten uns zeitlich den wunderbaren Ausflug oberhalb der Hütte nicht mehr leisten können.

Oberhalb der Kürsingerhütte, im Hintergrund der Großvenediger noch ohne Wolken

Interner Link zu meiner Kurzgeschichte am Großvenediger:

Eisiges Grab

Link zur Kürsingerhütte (und Taxi):

www.kuersingerhuette.at

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

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