Vorab: Ich esse mit Genuss Döner, Sushi, Pizza Salami und auch Cheeseburger.
Trotzdem schickt meine Frau mich sehr regelmäßig ausgerechnet zum Einkaufen in einem Bioladen auf dem Land. Alle anderen Einkäufe erledigt sie, weil ich mich vor vielen Jahren, aus reiner Frackigkeit, bei Ikea völlig danebenbenommen hatte, inkl. vorgetäuschtem Tourette-Anfall. Anfänglich dachte ich, dass das mit dem Bioladen-Einkauf ein Gefallen ihrerseits gewesen sei. Nach dem Motto: An den Einkäufen musst du dich generell, zumindest symbolisch, auch ein wenig beteiligen. Und im Bioladen brauchst du dich nur an die Theke zu stellen, der kompetenten Dame dahinter den Einkaufszettel vorlesen, das angereichte Grünzeug einpacken, bezahlen und ab die Post.
Schöne Wegmarkierung zum Bioladen
Dachte ich, war aber falsch gedacht. Meine Frau kann auch frackig sein. Jetzt kennen wir alle die üblichen Nervfaktoren beim Einkaufen wie: immer an der falschen Kasse anstehen, oder Regale werden wöchentlich umgeräumt, oder plärrende Kleinkinder mit überforderten Vätern/Müttern, die dir aus lauter Frust und Hektik in die Hacken fahren. Beim Bioladen meines Vertrauens – besser: des Vertrauens meiner Frau – kommen derlei Ärgernisse selten vor. Dafür andere und die haben ein ungleich brisanteres Kaliber. Verantwortlich dafür ist die Spezies der Bioladen Fetischisten und Fetischistinnen. Die tummeln sich in meinem Bioladen gehäuft am Vormittag, wenn die morgendliche Yogasession absolviert wurde und die Energiespeicher wieder aufgefüllt werden müssen. Natürlich mit dem Verzehr von bester Bioware von „meinem“ Biobauern. Ich meide die Vormittage dort, aber letzten Donnerstag war es so weit. Meine Frau benötigte mittags unser Auto, ich musste daher vorher meinen Einkaufsjob erledigen.
Es wird ernst im Bioladen
Er stach mir schon auf dem Parkplatz ins Auge, er war lang und dünn und um die 60. Trug eine kleine Ledertasche umgehängt über den Wolljanker. Auf dem Kopf eine gehäkelte Wollmütze, um die Beine eine Art von Samt-Hose, an den Füßen feine Mokassins mit Leder Schnürsenkeln. Ich bin über den Parkplatz gespurtet, um vor ihm an die Einkaufswagen zu gelangen. Ich habe es nicht geschafft, und dann nahm das Unheil seinen Lauf und ich sah es so was von kommen. Er trat vor mir an die Verkaufstheke und war gleich an der Reihe. Jetzt findet das bekannte stundenlang an dem Pfirsich drücken, an der Melone riechen und an der Erdbeere lecken in diesem Laden nicht direkt statt, weil die Fachkraft die gewünschte Ware aus den Kisten hinter sich zusammensucht und direkt für den Kunden und die Kundin auf den Tresen legt. Die Fachkraft war im aktuellen Fall eine mir bekannte, immer eher fröhliche Frau mittleren Alters, mit der ich üblicherweise netten Smalltalk betreibe. Aber ich war ja noch nicht dran, weil vor mir ja dieser Herbert, ich denke er hieß Herbert, stand. Das gewünschte Pfund Brokkoli war schnell in trockenen Tüchern, auch die drei vollreifen, korrekt gekrümmten Bananen. Die beiden Avocados bestanden dann das blitzschnelle Testfühlen nicht und mussten von der Fachkraft zurückgeräumt werden. Herbert entschuldigte sich dafür und erklärte auch gleich, dass er von unreifen Avocados aufstoßen müsse, mitunter sogar Blähungen bekäme. Das hat die nette Verkäuferin natürlich verstanden. Sie hat auch verstanden, dass gegen derlei körperliche Fehlfunktionen Ingwer ein gutes Heilmittel darstellt. Herbert wollte viele Ingwerknollen, vielleicht weil er generell zu Blähungen neigte – keine Ahnung. Herbert wollte leider Ingwerknollen, die so wie Kartoffeln aussehen, also ohne diese Ingwer typischen Beulen, Verzweigungen und Verformungen.
In Sachen Formschönheit hat die Kartoffel die Nase vorn
Es wird unerfreulich im Bioladen
Tja, Ingwer ist halt keine Knolle, sondern eine Wurzel. Das hat sich bis zu Herbert aber noch nicht herumgesprochen. Die eigentlich nette Verkäuferin musste jetzt im 30 Sekundentakt Ingwer-Wurzeln auf die Theke legen, die allesamt als zu wenig formschön durch Herberts Prüfungsraster fielen. Die eigentlich nette Verkäuferin bekam seltsame Gesichtszüge, und die mittlerweile hinter mir stehende Kundin rammte mir ihren Einkaufswagen in den Rücken. Ich dachte über eine Tourette-Einlage nach, hatte meiner Frau aber versprochen, darauf zukünftig zu verzichten. Da hörte ich Herbert sagen: dann komme ich nächste Woche wieder, vielleicht gibt es dann schöneren Ingwer. Dann nehme ich jetzt nur noch einen Hokkaido Kürbis, mittelgroß bitte.
Kürbisse in fast allen Größen
Was heißt für sie mittelgroß, fragte die Verkäuferin mit den mittlerweile seltsamen Gesichtszügen. Ja ich würde mir zwei Portionen Suppe zubereiten, ich lebe allein. Ich habe die KI befragt und da heißt es, dass 800 Gramm für 4 Portionen reichen. Also würde ich es gerne mit einem 400 Gramm Kürbis versuchen. Das ist ja mal eine erstaunlich klare Ansage, dachte ich so bei mir. Jetzt kriegt Herbert die Kurve.
Es wird richtig ärgerlich im Bioladen
Leider wurde beim ersten ausgesuchten Kürbis die Grammzahl um 200 übertroffen, beim zweiten sogar um 300, beim dritten um 150 und beim vierten wieder um 200 Gramm. Nein, meinte Herbert klar und bestimmt. So viel möchte ich nicht wegwerfen müssen. Dann versuche ich beim nächsten Mal mein Glück. Ich muss wegen dem Ingwer ja sowieso wiederkommen. Den Brokkoli können sie auch zurücklegen, die Bananen nehme ich aber gerne. Da wurde aus der ursprünglich mal freundlichen Verkäuferin eine Salzsäule mit erstarrten Gesichtszügen.
Mittlerweile war gefühlt der Abend angebrochen. Eine zweite Verkäuferin versuchte die Warteschlange abzuarbeiten. Ich hing hinter Herbert über meinen Einkaufswagen gebeugt, hatte Ohrensausen und mich beschäftigten exakt zwei Fragen. Hatte Herbert jemals eine Partnerin oder einen Partner? Und welchen Beruf übt Herbert aus? Physiotherapeut vermutlich, oder doch Yogalehrer und ehemaliger Bhagwan-Jünger, oder etwa Verkäufer in der Herrenoberbekleidungsabteilung bei Galeria, oder doch Gymnasiallehrer mit den Fächern Philosophie und Kunst. Nein, das wäre alles zu einfach. Er ist Erschrecker auf Geisterbahnen, ganz sicher. Ich weiß, alles dämliche Klischees, Vorurteile, Hirngespinste… Aber was soll man denn sonst denken, wenn man hinter so einem Herbert eingemauert ist.
Es entspannt sich
Er ging dann mit seinen Bananen zur Kasse, und ich versuchte mein Bestes, bei der Verkäuferin wieder ihren ursprünglichen Gemütszustand herzustellen. Das gelang mir sehr schnell und ziemlich gut mit: Können Sie mir bitte einen 370 Gramm schweren Hokkaido Kürbis reichen. Ich lebe nicht allein, aber meine Frau bekommt von Kürbissuppe übles Aufstoßen und…..
Vorab: Ich esse mit Genuss Döner, Sushi, Pizza Salami und auch Cheeseburger.
Trotzdem schickt meine Frau mich sehr regelmäßig ausgerechnet zum Einkaufen in einem Bioladen auf dem Land. Alle anderen Einkäufe erledigt sie, weil ich mich vor vielen Jahren, aus reiner Frackigkeit, bei Ikea völlig danebenbenommen hatte, inkl. vorgetäuschtem Tourette-Anfall. Anfänglich dachte ich, dass das mit dem Bioladen-Einkauf ein Gefallen ihrerseits gewesen sei. Nach dem Motto: An den Einkäufen musst du dich generell, zumindest symbolisch, auch ein wenig beteiligen. Und im Bioladen brauchst du dich nur an die Theke zu stellen, der kompetenten Dame dahinter den Einkaufszettel vorlesen, das angereichte Grünzeug einpacken, bezahlen und ab die Post.
Dachte ich, war aber falsch gedacht. Meine Frau kann auch frackig sein. Jetzt kennen wir alle die üblichen Nervfaktoren beim Einkaufen wie: immer an der falschen Kasse anstehen, oder Regale werden wöchentlich umgeräumt, oder plärrende Kleinkinder mit überforderten Vätern/Müttern, die dir aus lauter Frust und Hektik in die Hacken fahren. Beim Bioladen meines Vertrauens – besser: des Vertrauens meiner Frau – kommen derlei Ärgernisse selten vor. Dafür andere und die haben ein ungleich brisanteres Kaliber. Verantwortlich dafür ist die Spezies der Bioladen Fetischisten und Fetischistinnen. Die tummeln sich in meinem Bioladen gehäuft am Vormittag, wenn die morgendliche Yogasession absolviert wurde und die Energiespeicher wieder aufgefüllt werden müssen. Natürlich mit dem Verzehr von bester Bioware von „meinem“ Biobauern. Ich meide die Vormittage dort, aber letzten Donnerstag war es so weit. Meine Frau benötigte mittags unser Auto, ich musste daher vorher meinen Einkaufsjob erledigen.
Es wird ernst im Bioladen
Er stach mir schon auf dem Parkplatz ins Auge, er war lang und dünn und um die 60. Trug eine kleine Ledertasche umgehängt über den Wolljanker. Auf dem Kopf eine gehäkelte Wollmütze, um die Beine eine Art von Samt-Hose, an den Füßen feine Mokassins mit Leder Schnürsenkeln. Ich bin über den Parkplatz gespurtet, um vor ihm an die Einkaufswagen zu gelangen. Ich habe es nicht geschafft, und dann nahm das Unheil seinen Lauf und ich sah es so was von kommen. Er trat vor mir an die Verkaufstheke und war gleich an der Reihe. Jetzt findet das bekannte stundenlang an dem Pfirsich drücken, an der Melone riechen und an der Erdbeere lecken in diesem Laden nicht direkt statt, weil die Fachkraft die gewünschte Ware aus den Kisten hinter sich zusammensucht und direkt für den Kunden und die Kundin auf den Tresen legt. Die Fachkraft war im aktuellen Fall eine mir bekannte, immer eher fröhliche Frau mittleren Alters, mit der ich üblicherweise netten Smalltalk betreibe. Aber ich war ja noch nicht dran, weil vor mir ja dieser Herbert, ich denke er hieß Herbert, stand. Das gewünschte Pfund Brokkoli war schnell in trockenen Tüchern, auch die drei vollreifen, korrekt gekrümmten Bananen. Die beiden Avocados bestanden dann das blitzschnelle Testfühlen nicht und mussten von der Fachkraft zurückgeräumt werden. Herbert entschuldigte sich dafür und erklärte auch gleich, dass er von unreifen Avocados aufstoßen müsse, mitunter sogar Blähungen bekäme. Das hat die nette Verkäuferin natürlich verstanden. Sie hat auch verstanden, dass gegen derlei körperliche Fehlfunktionen Ingwer ein gutes Heilmittel darstellt. Herbert wollte viele Ingwerknollen, vielleicht weil er generell zu Blähungen neigte – keine Ahnung. Herbert wollte leider Ingwerknollen, die so wie Kartoffeln aussehen, also ohne diese Ingwer typischen Beulen, Verzweigungen und Verformungen.
Es wird unerfreulich im Bioladen
Tja, Ingwer ist halt keine Knolle, sondern eine Wurzel. Das hat sich bis zu Herbert aber noch nicht herumgesprochen. Die eigentlich nette Verkäuferin musste jetzt im 30 Sekundentakt Ingwer-Wurzeln auf die Theke legen, die allesamt als zu wenig formschön durch Herberts Prüfungsraster fielen. Die eigentlich nette Verkäuferin bekam seltsame Gesichtszüge, und die mittlerweile hinter mir stehende Kundin rammte mir ihren Einkaufswagen in den Rücken. Ich dachte über eine Tourette-Einlage nach, hatte meiner Frau aber versprochen, darauf zukünftig zu verzichten. Da hörte ich Herbert sagen: dann komme ich nächste Woche wieder, vielleicht gibt es dann schöneren Ingwer. Dann nehme ich jetzt nur noch einen Hokkaido Kürbis, mittelgroß bitte.
Was heißt für sie mittelgroß, fragte die Verkäuferin mit den mittlerweile seltsamen Gesichtszügen. Ja ich würde mir zwei Portionen Suppe zubereiten, ich lebe allein. Ich habe die KI befragt und da heißt es, dass 800 Gramm für 4 Portionen reichen. Also würde ich es gerne mit einem 400 Gramm Kürbis versuchen. Das ist ja mal eine erstaunlich klare Ansage, dachte ich so bei mir. Jetzt kriegt Herbert die Kurve.
Es wird richtig ärgerlich im Bioladen
Leider wurde beim ersten ausgesuchten Kürbis die Grammzahl um 200 übertroffen, beim zweiten sogar um 300, beim dritten um 150 und beim vierten wieder um 200 Gramm. Nein, meinte Herbert klar und bestimmt. So viel möchte ich nicht wegwerfen müssen. Dann versuche ich beim nächsten Mal mein Glück. Ich muss wegen dem Ingwer ja sowieso wiederkommen. Den Brokkoli können sie auch zurücklegen, die Bananen nehme ich aber gerne. Da wurde aus der ursprünglich mal freundlichen Verkäuferin eine Salzsäule mit erstarrten Gesichtszügen.
Mittlerweile war gefühlt der Abend angebrochen. Eine zweite Verkäuferin versuchte die Warteschlange abzuarbeiten. Ich hing hinter Herbert über meinen Einkaufswagen gebeugt, hatte Ohrensausen und mich beschäftigten exakt zwei Fragen. Hatte Herbert jemals eine Partnerin oder einen Partner? Und welchen Beruf übt Herbert aus? Physiotherapeut vermutlich, oder doch Yogalehrer und ehemaliger Bhagwan-Jünger, oder etwa Verkäufer in der Herrenoberbekleidungsabteilung bei Galeria, oder doch Gymnasiallehrer mit den Fächern Philosophie und Kunst. Nein, das wäre alles zu einfach. Er ist Erschrecker auf Geisterbahnen, ganz sicher. Ich weiß, alles dämliche Klischees, Vorurteile, Hirngespinste… Aber was soll man denn sonst denken, wenn man hinter so einem Herbert eingemauert ist.
Es entspannt sich
Er ging dann mit seinen Bananen zur Kasse, und ich versuchte mein Bestes, bei der Verkäuferin wieder ihren ursprünglichen Gemütszustand herzustellen. Das gelang mir sehr schnell und ziemlich gut mit: Können Sie mir bitte einen 370 Gramm schweren Hokkaido Kürbis reichen. Ich lebe nicht allein, aber meine Frau bekommt von Kürbissuppe übles Aufstoßen und…..
Interner Link: Grand Hotel – neu definiert:
Grand Hotel – neu definiert
Hier der direkte Link zum Bioladen des Vertrauens meiner Frau:
https://bois.de/