Outdoor – Draußen vor der Tür

Aktiv sein in der freien Natur. Abenteuer erleben, an Grenzen stoßen und über sie hinaus gehen, ungeahnte Glücksmomente erleben, sich neu erfinden, manchmal sogar den Tod finden.

Outdoor

heißt ja so viel wie „draußen vor der Tür“. Also zum Beispiel auf dem Balkon, im Schrebergarten oder Freibad, am Toten Meer oder auf dem Mount Everest. Unter freiem Himmel ist alles „Outdoor“. Der Mensch gehört da eigentlich nicht hin. Früher saß er vorzugsweise in Höhlen und Hütten rum, heute am liebsten im Loft oder Penthouse. Da ist es nur verständlich, dass sich eine riesige Industrie darauf spezialisiert hat, uns ins Freie zu locken und uns das Überleben draußen schmackhaft und überhaupt möglich zu machen.

Die Outdoor-Freaks von den Outdoor-Läden empfehlen unbedingt:

  • Funktionsjacke und Thermounterwäsche für den Gang zum Mülleimer,
  • Schneeschuhe, Lawinenairbag und Leuchtrakete für die Wanderung durch den winterlichen Vorgarten (falls Vorgarten eine Neigung von mehr als 10 Prozent aufweist)
  • Stirnlampe und reflektierenden Overall fürs abendliche Gassi gehen mit dem Rauhaardackel
  • Helm mit GoPro-Kamera und Rucksack mit integrierter Sitzmöglichkeit und Trinkschlauch für den Sonntagnachmittag Spaziergang.

Und damit aber nicht genug.

Wem die direkte Umgebung seiner Behausung als Abenteuerspielplatz nicht reicht und wer nach der ultimativen Herausforderung sucht, findet auch dafür weltweit operierende Unternehmen, die Frau Hinz und Herrn Kunz das rundum sorglos Paket anbieten. Das Abenteuer selber – zum Beispiel die Besteigung des Mount Everest – das nötige Equipment, dazu Träger und Köche, Sauerstoff in Flaschen, psychologische Betreuung in allen Höhenlagern  und bei Tod durch Höhenkrankheit auch die Einäscherung am heiligen Fluß Bagmati in Kathmandu. Allerdings nur, wenn Du Hindu bist!

Wenn nicht, frag mich. Ich kenne den besten Bestatter in Kathmandu – ein Ösi mit Namen Walter.

Am Bagmati in Pashupatinath

Vorausgesetzt man schafft es in der Nähe des Basislagers zu sterben,

denn von dort können Leichen von Leichenträgern leicht abtransportiert werden. So ein Träger kostet nur wenige Euro. Wenn der Sensenmann aber in der Todeszone oberhalb von sieben- oder achttausend Metern die scharfe Klinge zum Vorschein holt, dann bleibt man da oben gerne ein paar Jahre am Wegesrand sitzen und grüßt stumm und kalt jahraus und jahrein die internationale Meute, die hechelnd und keuchend vorüber zieht. Über kurz oder lang bekommt man sicher einen stillen Gesellschafter, aus Südkorea oder Russland oder Polen, vielleicht sogar einen Ösi aus dem Ötztal. Jetzt mögen viele denken, dass es doch völlig verrückt ist, so ohne jedes Training auf den Everest laufen zu wollen. Ist es auch, aber der Kick ist so viel größer. Gut trainiert und Höhen angepasst schafft das jeder, aber frisch vom Schreibtisch weg direkt an den Hillary Step und von dort dann online in die weite Welt posaunen, das ist cool und voll outdoor-mäßig. Und wenn man da oben sein letztes Süppchen löffelt und dann den Löffel abgibt, kann die Freundin via Skype noch eine gute und lange Nacht wünschen.

Gedenkstätte für Outdoor Aktivisten am Everest

Weiland traf ich einen gut trainierten Mann  – einen Holländer –

am Weissensee im Kärntner Land. Der fuhr seit 20 Jahren Ski, auf einer 150 Meter langen Piste mit einem Tellerlift. Der Übungshang hatte eine sehr, sehr sanfte Neigung – ein Spiel- und Übungshang für Kinder eben. Vorschriftsmäßig trug er korrekte Skikleidung und einen Helm und sorgte so dafür, dass er die Gefahrenquelle, vom Teller des Tellerlifts tödlich am Kopf getroffen zu werden, hundertprozentig ausschloss.

Ich fragte ihn, wieso ihm dieses Gerutsche denn Spaß mache und warum er nicht mal mit einer Skigondel auf einen richtigen Berg fahren wolle um dann lässig ins Tal abzuschwingen. Bei 20 Jahren Skierfahrung müsste er das doch eigentlich hinbekommen.

Seine Antwort: „In Holland zu leben ist täglich lebensgefährlich. Der Verkehr, das schlechte Essen, die Stürme, das viele Wasser. Warum soll ich mich im Urlaub auch noch Gefahren aussetzen?“

Ein überlegenswerter Standpunkt.

Wenn das der Holländer sehen würde: Frau ohne Helm und Lawinensuchhund beim Posen und Sporteln vor Lawine

Ich - Mikka Ich war schon immer eher Läufer und nicht Rädchen-Fahrer. Wir wohnten am Hang, ein unbefestigter Feldweg führte zu unserem Haus. Wir haben unsere Räder immer mehr geschoben als gefahren. Später verdiente ich mein Geld als Bademeister und Fensterputzer, da war ich auch viel zu Fuß unterwegs, ja und dann habe ich mit dem Marathon laufen angefangen. Und mit dem Bergwandern, ich war auch Reiseleiter im Himalaya. Als das Heruntergehen meinen Knien nicht mehr gefiel, hab ich das Paragleiten gelernt. Soviel zu meiner Sportkarriere. Beruflich lief es auch nicht so glatt. Als Junge wollte ich die Wetterstation auf der Zugspitze übernehmen. Es hat dann nur zum Wetterfrosch ohne Ausbildung gereicht. Lehrer konnte ich auch nicht werden, da hatte ich zwar eine Ausbildung, aber das Land NRW keine Jobs. Also wurde ich eben Reiseleiter, Reisereferent, Reiseverkäufer, Reiseredakteur und Reisejournalist. Ich bin ein bisschen herumgekommen. Habe Reisefilme gedreht, Reiseartikel und zwei Reisebücher geschrieben. Ich habe vor und hinter der Kamera gestanden, den Mount Everest fast bestiegen und die Sahara quasi durchquert. Ich bin viele Berge hochgelaufen und heruntergeflogen und ich bin seit 65 Jahren Gladbach Fan. Ich wurde in Mönchengladbach geboren.

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